Deutschlehrer werden als Traum

Wie ich Lehrer wurde oder ein Traum Wirklichkeit

Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich einmal die deutsche Sprache unterrichten würde – eine Sprache, die mich schon seit meiner Kindheit fasziniert hat. Warum? Ich versuche es im Folgenden zu erklären.

Ich hatte ein sehr gutes Vorbild. Meine Nachbarin, Tante Katarína, sprach ausgezeichnet Deutsch. Sie stammte aus Dobschau/Dobšiná und jedes Jahr während der Sommerferien besuchte sie ihre Schwester Gita aus Deutschland. Als Junge bewunderte ich die beiden sehr, wenn sie sich miteinander auf Deutsch unterhielten. Auch mein großer Traum war es, so Deutsch sprechen zu können.

In der fünften Klasse der Grundschule gab es die Möglichkeit, eine Fremdsprache zu wählen. Das war kurz nach der Revolution. Natürlich entschied ich mich für Deutsch. Ich hatte eine hervorragende Deutschlehrerin an der Grundschule, Frau Richtarčíková, und später an der Mittelschule Frau Agáta Polovková.

Mein Traum war es immer, Deutsch zu sprechen. In Zipser Neudorf/Spišská Nová Ves trafen sich die Mitglieder der örtlichen KDV‑Organisation, zu denen ich mit fünfzehn Jahren dazustieß. Dort hatte ich die Möglichkeit, die deutsche Sprache zu hören – nicht nur im Dialekt, sondern auch in ihrer schönen, hochsprachlichen Form.

Ich erinnere mich an Persönlichkeiten wie Dr. Dezider Martinko, Dr. Rudolf Török, Dr. Ladislav Kubinský und viele weitere Damen und Vereinsmitglieder. Sie unterhielten sich wunderschön, meist auf Deutsch, wechselten aber oft auch fließend ins Ungarische. Hin und wieder hörte ich auch den Zipser Dialekt – sei es Potoksch oder Bulinerisch. Mit dieser Generation wertvoller Menschen, von denen viele noch in der Zeit Österreich‑Ungarns geboren wurden, durfte ich aufwachsen.

Im Karpatendeutschen Verein lernte ich auch Jozef Kamenický kennen, der an einer Mittelschule Deutsch unterrichtete. Er ermutigte mich ständig, ins Schulwesen zu gehen, und erzählte mir, wie schön die Arbeit im Bildungsbereich sei. Für seine Schüler bereitete er verschiedene Arbeitsblätter vor und schrieb sogar Gedichte. Mehrmals begleitete ich ihn in den Unterricht – sei es in der Forstschule in Bijacovce oder an der Bau‑Fachmittelschule in Zipser Neudorf/Spišská Nová Ves.

Der Wind wehte mich schließlich aus Zipser Neudorf in unsere wunderschöne Tatra – und zwar dank Jozef Kamenický. An der Hotelfachschule in Oberschmecks/Horný Smokovec unterrichtete Jožo Deutsch – als Nachfolger des verstorbenen Vlado Majovský, an den sich viele von uns gut erinnern und den viele auch persönlich kannten. Auch er wirkte im Schulwesen und viele seiner Schüler denken bei irgendeiner lustigen Anekdote gern an ihn zurück. Ich erinnere mich auch an die Artikel, die er im Karpatenblatt veröffentlichte.

So kam auch ich schließlich zum Lehrerberuf, als mich der inzwischen verstorbene Direktor Peter Slančo als Deutschlehrer einstellte. Mein Traum, der als Hobby und als Sehnsucht begann, Deutsch zu können, wurde zu meinem Beruf.

Ich werde die Worte meiner Kollegin Zuzka, Mathematiklehrerin in der Hohen Tatra, nie vergessen. Sie sagte einmal zu mir: „Vladko, wir sind hier bezahlte Touristen.“ Und sie hatte recht. Ich ging mit Freude zur Schule und empfand meine Arbeit als Hobby, für das ich sogar bezahlt wurde. Ich tat das, was mich erfüllte und begeisterte.

Oft erinnere ich mich auch an die Worte von Dr. Dezider Martinko, dem Vorsitzenden der KDV‑Ortsgruppe in Zipser Neudorf. Er sagte einmal zu mir: „Vladko, wenn du einmal Deutsch unterrichtest, bring den Kindern nicht Grammatik bei, sondern lehre sie sprechen.“ Diesen Rat habe ich mir zu Herzen genommen. Dank meiner hervorragenden Lehrer in der Grund‑ und Mittelschule erhielt ich ein solides sprachliches Fundament. Auch Tante Katarína nahm sich meiner an und wies mich nie ab, wenn ich mit einer Hausaufgabe zu ihr kam. Meine Schüler versuchte ich – und versuche ich bis heute – vor allem dahin zu führen, keine Angst vor dem Sprechen zu haben, auch wenn Fehler passieren. Während meiner sechzehn Jahre als Deutschlehrer in der Hohen Tatra bereitete ich viele Schüler auf die Deutsch‑Matura vor.

Viele von ihnen leben und arbeiten heute in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Mit mehreren stehe ich bis heute in Kontakt. Sie melden sich, wir schreiben uns, und manche besuchen mich sogar. Vor Kurzem traf ich meinen ehemaligen Schüler Jaro. Wir unterhielten uns auf Deutsch und ich muss sagen, sein Deutsch ist auf ausgezeichnetem Niveau. Kein Wunder – er lebt und arbeitet in Deutschland. Das sind die Früchte der Lehrerarbeit, die man erst nach vielen Jahren sieht. Erst dann erkennt man, was im Schüler geblieben ist und wie das Studium ihr Leben beeinflusst hat.

Mit Jaro vereinbarte ich, dass er mich in der Schule besucht. Ich schlug ihm vor, in eine Deutschstunde an der Polytechnischen Fachschule von J. A. Baťa in Svit zu kommen, wo ich nun im zweiten Jahr unterrichte. Wir verabredeten, dass ich ihn den Schülern als meinen „Freund aus Deutschland“ vorstelle, der Adrian Schönberger heißt und im Urlaub in der Tatra ist.

Es war eine hervorragende und sehr lebendige Stunde. Die Schüler ahnten natürlich nicht, worum es ging. Es entstanden auch einige lustige Situationen und ich wäre beinahe aufgeflogen. Die Schüler waren sehr aktiv. Sie stellten Adrian Fragen, er antwortete und stellte ihnen wiederum Fragen. Eine freie Unterhaltung, in der jeder etwas über sich erzählte. Es war eine natürliche Kommunikation – genau die Art, die beim Erlernen einer Fremdsprache am wichtigsten ist.

Deutsch gehört zwar zu den anspruchsvolleren Sprachen, aber man kann sie interessant und praxisnah unterrichten. Und genau so kann man sie auch erfolgreich lernen.

Kürzlich kam mir noch eine schöne Erinnerung. Unsere Tochter Sonička lernt  ebenfalls Deutsch und nahm an einem Rezitationswettbewerb deutscher Poesie und Prosa in Deutschendorf/Poprad teil. Dabei erinnerte ich mich an meine eigene Schulzeit, als ich am Friedrich‑Lam‑Wettbewerb im Vortragen deutscher Poesie und Prosa teilnahm. Das war 1999 und ich gewann den zweiten Platz. Große Freude bereitete mir, dass auch Sonička im Bezirkswettbewerb den zweiten Platz erreichte. Solche Momente zeigen, wie sich manche Geschichten über Generationen hinweg wiederholen. Sehr gefreut hat mich auch, dass ich Mitglied der Jury sein durfte und die Kinder der Grundschulen hören konnte, wie schön sie deutsche Texte vortrugen.

Die deutsche Sprache hat meiner Meinung nach in Europa weiterhin große Perspektiven und Zukunft. Viel hängt jedoch von uns Lehrern ab – davon, wie wir diesen Sprachunterricht gestalten. Davon hängt oft die Motivation und die Freude der Schüler ab.

Zum Schluss möchte ich Jozef Kamenický, Mitglied der KDV‑Ortsgruppe in Zipser Neudorf, in stiller Erinnerung gedenken. Er verstarb am 30. April 2026 im Alter von 75 Jahren. Die letzte Verabschiedung fand am 5. Mai in Zipser Neudorf/Spišská Nová Ves statt.

Ich bin sehr dankbar, dass ich im Schulwesen tätig sein darf und dass meine Arbeit zugleich mein Hobby ist. Ich hoffe, dass meine Geschichte anderen Deutschlehrern, aber auch Kindern und Schülern Mut macht, diese schöne – wenn auch anspruchsvolle – Sprache mit Freude und Entschlossenheit zu lernen und vielleicht eines Tages auch beruflich zu nutzen.

Mgr. V. Andraš

(Deutschlehrer an der Polytechnischen Fachschule von J. A. Baťa in Svit)