Wo Freude bleibt, wächst Verstehen: Das Kultur- und Begegnungsfest 2025

Manchmal braucht es nicht viel mehr als einen Ort, der Erinnerungen Raum gibt. Einen Moment, in dem Menschen einander näherkommen, Geschichten teilen, ein Lied, ein Lächeln, einen schlichten Händedruck. Kultur heißt dann nicht nur, das Vergangene zu bewahren, sondern es weiterzugeben — leise, von Herz zu Herz, damit es nicht im Gestern hängen bleibt, sondern in uns weiterlebt.

Das Kultur- und Begegnungsfest vom 21. bis 22. Juni in Kesmark/Kežmarok hat genau diesen Raum wieder geöffnet: einen Ort, an dem Geschichten lebendig werden dürfen, Verbindungen wachsen können und das Miteinander zählt. Zum 28. Mal schon verwandelte sich die Stadt am Fuße der Hohen Tatra in einen Treffpunkt für Karpatendeutsche aus der ganzen Slowakei und darüber hinaus.

Wenn Musik durch die Straßen zieht

Das Programm spannte auch in diesem Jahr einen weiten Bogen: Schülerinnen und Schüler trugen deutsche Poesie und Prosa vor, im Museum Kesmark öffnete die Ausstellung „Die Deutschen in der Zips“ ihre Türen, während im Rathaus beim Empfang Geschichten, Erinnerungen und neue Kontakte geteilt wurden.

Am Samstag füllten beim ökumenischen Gottesdienst die Lieder des Goldseifen-Chors die artikulare Holzkirche mit einer besonderen Stimmung. Von dort zogen die Teilnehmer des Festes zur Blasmusik mit bunten Trachten, Winken und Lachen durch die Straßen bis in den Burghof, der sich in eine Bühne voller Begegnungen verwandelte. Karpatendeutsche Folkloregruppen aus der ganzen Slowakei und ihre Gäste machten den Tag bunt — begleitet von Mgr. Tatiana Schürmann, die mit spürbarer Herzlichkeit durch das Programm führte.

Was Menschen weitergeben

Hinter all den Programmpunkten stand vor allem eines: das Miteinander. „Dass die deutsche Kultur in der Slowakei lebendig und aktiv ist, zeigte auch dieses Fest auf besondere Weise. Es ist ein großes Erbe und ich freue mich, dass es auf diese Weise gepflegt und bewahrt wird. Sie, die Karpatendeutschen, sind eine wichtige Brücke zwischen der slowakischen und der deutschen Gesellschaft“, sagte Dr. Gisela Fülling, Vertreterin des Bundesministeriums des Innern.

Dass diese Brücke nicht nur in Worten, sondern vor allem im gelebten Miteinander spürbar war, darin waren sich viele einig. Zahlreiche Gäste erlebten das Fest als ein herzliches Wiedersehen unter guten Bekannten. Die Stimmung war geprägt von echtem Zusammenhalt — von freundlichen Worten, einem Gefühl von Nähe und einem kleinen Mädchen, das im Burghof im bunten Dirndl seine Großmutter an der Hand nahm. Eine Einheimische, eine echte Kesmarkerin, brachte diese Wärme in einfachen Worten auf den Punkt: „Wenn meine selige Mutter heute hier wäre, wäre sie sicher sehr gerührt. Es ist einfach schön, dass das trotz allem weiterbesteht — denn am Ende sind es die Menschen, die das Leben ausmachen. Wir dürfen es uns nicht nur schwer machen, sondern auch schön.“

Auch Vojtech Wagner, der Vorsitzende der Ortsgruppe des Karpatendeutschen Vereins in Kesmark, begleitet das Fest seit der ersten Stunde. Im Gespräch mit dem Fernsehsender KTV erinnert er an die Anfänge: „Wir treffen uns hier schon zum 28. Mal. Das erste Mal war 1996. Kesmark war dafür genau der richtige Ort: mit seiner langen Geschichte, der deutschen Tradition und den vielen engagierten Menschen, die uns immer unterstützt haben. Dafür sind wir bis heute sehr dankbar. Für uns Karpatendeutsche ist es etwas Besonderes, dass wir uns so begegnen können.“

Ein Zeichen für Freude

Ein besonderer Moment brachte ein Lächeln in viele Gesichter: Der deutsche Botschafter in der Slowakei, Thomas Kurz, wurde feierlich zum Goralen ernannt — eine kleine Geste mit großer Symbolkraft.

Gewünscht wurde ihm dabei vor allem eines: Freude. Denn, wie es bei der symbolischen Überreichung hieß, auch heute gilt: Wo Freude ist, da ist Glück; wo Glück ist, da ist Liebe; wo Liebe ist, da ist Verstehen — und wo Verstehen ist, da lässt es sich gut miteinander leben. Und wer weiß: Vielleicht braucht es manchmal wirklich nicht viel mehr als ein Lied, ein Lächeln und ein bisschen Mut, um Brücken zu bauen, die bleiben.

Lucia Vlčeková

Fotos: Roman Kadlec