„Zipseri“ lässt die Geschichten der Karpatendeutschen wieder aufleben
In Kesmark/Kežmarok fand am 10. Juni die feierliche Präsentation des Buches „Zipseri“ (Zipser) der Autorin Daniela Beráková statt, die im Zeichen der Erinnerung an das multikulturelle Erbe der Zips und insbesondere an die Geschichte der Karpatendeutschen stand. Die Veranstaltung hatte einen deutlichen kultur- und erinnerungsgeschichtlichen Charakter und verband die literarische Präsentation mit Musik, Folklore und einer lebendigen Reflexion regionaler Geschichte.
Die Buchtaufe verlief in einer angenehmen, gesellschaftlichen Atmosphäre, wobei die symbolische Patenschaft für das Buch der Vorsitzende des Karpatendeutschen Vereins Patrik Lompart übernommen hatte. Die feierliche Einführung des Werkes wurde von Gesprächen über seinen Inhalt begleitet, der sich den Schicksalen der Zipser Deutschen widmet – ihrem Alltag, ihren kulturellen Traditionen und den historischen Veränderungen, die ihr Leben in der Slowakei entscheidend geprägt haben.
Ein wichtiger Bestandteil des Programms waren musikalische und folkloristische Beiträge. Schülerinnen und Schüler der Grundschule Kesmark gestalteten die musikalische Begleitung, während die Musikgruppe „Pirečko“ die Veranstaltung mit Liedern in slowakischer und deutscher Sprache bereicherte. Dadurch spiegelte sich unmittelbar die Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt der Region Zips wider, in der sich über Jahrhunderte slowakische und deutsche Einflüsse vermischten.




Inspiration: Begegnungen und Zeitzeugnisse
Der historische Roman „Zipseri“ selbst beschäftigt sich mit den Schicksalen der Zipser Deutschen, die seit über 700 Jahren in der Region leben und deren kulturelle, sprachliche und wirtschaftliche Entwicklung maßgeblich prägten. Gleichzeitig reflektiert das Werk auch die dramatischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, insbesondere die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der damaligen Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg, die die demografische Struktur der Zips grundlegend veränderte.
Die Autorin schöpfte bei ihrer Arbeit auch aus persönlichen Begegnungen und authentischen Zeitzeugnissen, darunter die Inspiration durch Enid Gajek, geb. Kaul, die eine lebendige Verbindung zur Kultur und Erinnerung der ursprünglichen Gemeinschaft darstellt. Diese persönlichen Geschichten verleihen dem Werk sowohl dokumentarische Tiefe als auch eine starke emotionale Dimension.
Die Veranstaltung zeigte insgesamt, dass das Thema der multikulturellen Geschichte der Zips weiterhin lebendig und gesellschaftlich relevant ist. Die Verbindung von Literatur, Musik und persönlichen Erinnerungen schuf einen Raum der Reflexion über eine gemeinsame Vergangenheit, die lange Zeit im historischen Diskurs weniger sichtbar war. Damit ist das Buch nicht nur ein literarisches Werk, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung regionaler Identität und kulturellen Gedächtnisses.
Patrik Lompart
