Zum 35. Jahrestag der Gründung unseres Vereins
Am 30. September erinnern wir an den 35. Jahrestag der Gründung unseres Vereins . Wir alle wissen sehr gut, dass unser Vereinsleben (wie auch das Alltagsleben allgemein) in diesen vielen Jahren mit Sorgen verbunden war. Eines ist aber sicher: Unsere Vereinsaktivitäten und hunderte Veranstaltungen haben uns ein wenig vom Alltag abgelenkt und uns viel Entspannung und Freude über Wiedersehen gebracht.
Eines der berühmtesten Gedichte Friedrich Schillers (geschrieben 1785) und zugleich Titel der Vertonung im 4. Satz der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven ist die „Ode an die Freude“. Mit hohem Pathos beschreibt die Ode das Ideal einer Gesellschaft von gleichberechtigten Menschen, die durch das Band der Freude und der Freundschaft verbunden sind. Diese, seit 1985 offizielle Hymne der Europäischen Union, hörte man regelmäßig auch auf unseren Festen – zuletzt auf dem Jugendfest in der gemeinsamen Interpretation des Posaunenchors aus Einsiedel an der Göllnitz/Mníšek nad Hnilcom und der „Singenden Herzen“ aus Munkatsch/Mukatschewo.
Unsere Tätigkeit in den vergangenen 35 Jahren bot zahlreiche Möglichkeiten zur Freude. Der aufmerksame Beobachter sah etliche spontane, emotionale Reaktionen auf eine angenehme Situation, auf eine Person, ein Wiedersehen oder eine Erinnerung. Einfach gesagt: Er sah auf unseren Festen viel Freude. Er sah sicher auch viel freudige Teilnahme an der Freude eines anderen – also Mitfreude. Die Fähigkeit zur Mitfreude ist eine wesentliche Eigenschaft für ein friedliches Vereinsleben und eine Voraussetzung für vielfältige Beziehungen. Wo keine Mitfreude herrscht, sondern Missgunst und Konkurrenz, entsteht Eifersucht. Dass in unserem Verein im Großen und Ganzen immer die Mitfreude geherrscht hat, darf man mit Freude feststellen. Wir haben uns bei unseren Festen gegenseitig sicher viel Freude geschenkt. Und das gehört zweifellos zu den besten Ergebnissen unserer Vereinstätigkeit. So ist es richtig – so soll es auch bleiben!
Neben Schillers „Ode an die Freude“ erklang in den vergangenen 35 Jahren sehr oft auch das deutsche Volkslied „Wahre Freundschaft soll nicht wanken“. Dieses Lied ist vermutlich im 18. Jahrhundert entstanden. Es war zuerst in Brandenburg, Franken, Hessen und Schlesien verbreitet und ist heute in ganz Deutschland, aber auch bei den deutschen Minderheiten, beliebt. Auf die Melodie dieses Liedes wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Freiheitslied „Hohe Tannen weisen die Sterne“ gedichtet.
In diesem Lied sprudeln die Eigenschaften, die unseren Verein schon 35 Jahre zusammenhalten: ein auf gegenseitige Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander. Geprägt wird dieses Verhältnis neben Sympathie vor allem auch durch gegenseitiges Vertrauen. Und fest steht: Freundschaft ist eine grundlegende Konstante menschlichen Zusammenlebens. Ihre Bedeutung ist so groß, dass sich Menschen zu allen Zeiten Gedanken über sie gemacht haben. Zeugnis davon geben Mythen, religiöse Schriften und theoretische Betrachtungen – und in unserer Zeit auch wissenschaftliche Studien.
Die Philosophen unterscheiden zwischen drei Arten von Freundschaften: „Herzensfreundschaften“, „Alltagsfreundschaften“ und „Freunden in sozialen Netzwerken“ (damit sind nicht Facebook, Instagram und Co. gemeint, sondern Nachbarn, Kollegen, Vereine und so weiter). „Herzensfreunde“ seien jene, denen man absolut vertraut, auf die man sich verlässt und mit denen man alles teilen kann. Und meistens hat jeder Mensch von dieser Sorte nicht zu viele.
Wir können mit Freunden über alles reden und lieben sie – auch wenn sie uns manchmal auf die Nerven gehen: Gute Freunde sind das Salz in unserer Lebenssuppe. Das war seit Menschengedenken so. Seit 2011 ist der 30. Juli der Gedenktag der Freundschaft. Ich wünsche uns allen, dass wir im Rahmen unseres Vereins auch in Zukunft noch viele Gedenktage für die Freundschaft erleben!
Ondrej Pöss
