Zur Ausstellung „EVERYDAY DANUBE Childhood & Youth“ im SNM-Museum der Kultur der Karpatendeutschen
Die Ausstellung zeigt über Fotografien aus Institutionen in den Donauländern Deutschland, Slowakei, Kroatien und Republik Moldau Momentaufnahmen aus Kindheit und Jugend. Sie lädt Besucher aller Altersstufen ein, sich an ihre eigene Geschichte zu erinnern und in interaktiven Lebenszusammenhängen mit ihr auseinanderzusetzen. Durch diese Erinnerung bleibt das Kulturgut für die Gegenwart lebendig und ermöglicht über Grenzen hinweg eine individuelle sozialorientierte Bewusstseinsbildung.
Vier Kuratorinnen aus vier Ländern haben über ein Jahr an dem Konzept der Ausstellung gearbeitet: Projektleiterin Sarah Wirschke vom Institut für Kulturanalyse der Deutschen des Östlichen Europa in Freiburg, dr. sc. Ludmila D. Cojocaru vom Nationalmuseum der Geschichte der Republik Moldau in Chişinău, Jesenka Ricl vom Museum Slawoniens in Osijek in Kroatien und Katrin Litschko vom SNM-Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Pressburg.
Die Ausstellung entstand im Rahmen des Projekts „EVERYDAY DANUBE. Open Educational Resource on Everyday Culture in the Danube Region“. Sie wird durch das Institut für Kulturanalyse der Deutschen im östlichen Europa in Freiburg in Zusammenarbeit mit den Kultur- und Bildungspartnern durchgeführt. Das Projekt wird von der Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen des Programms „Perspektive Donau” gefördert und aus Mitteln des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen finanziert, die vom Landtag von Baden-Württemberg bereitgestellt wurden.
Meine Wahrnehmung
Die Ausstellung (be)achtet „Europa als Teil des Alltags in Handlungen, Gesten und Gewohnheiten“, die gerade in der Kinder- und Jugendzeit bildungsbedeutsam sind und das Leben prägen. Das Projekt verbindet zwischen Biografie und Alltag, Länder und Europa. Gemeinsam mit Bildungspartnern in der Donauregion entwickelte das Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europas in Freiburg eine „Open Educational Ressource zum Thema „Kindheit und Jugend in der Donauregion“.
Das Konzept für die Ausstellung entstand ausschließlich online. Zu sehen sind über vierzig Fotografien aus fünf Ländern, die meisten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Kuratorinnen wollten mit der Ausstellung nicht primär historische Zusammenhänge darstellen, sondern zeigen, was das Aufwachsen damals und heute ausmacht, was es verbindet und auch was es unterscheidet.

In Pressburg können die Texte dreisprachig – slowakisch, englisch und deutsch – gelesen und reflektiert werden. Als Bild- und Textträger dienen unter anderem großformatige Würfel, die inhaltlich in drei Bereiche unterteilt und farblich unterschieden sind: Gelb: Zugehörigkeit // Bindung und Beginn; Blau: Entdecken // Orte und Objekte; Grün: Erinnern // Erfahrungen und Ereignisse. Sie wecken Erinnerungen und laden in interaktiven Stationen zum spielerisch-kreativen Selbstgestalten ein.
Zur Veranschaulichung dient die sorgfältig vorbereitete vierfarbige Bildkarte mit verschiedenen Aufgaben zum Bauen eines kleinen (Spiel)Würfels, ebenso wie die großen Würfel mit anschaulichen Texten und Bildern. Viel Freude schenkt den kleinen und großen Besuchern das vergleichende Betrachten von Zeugnissen und Gegenständen wie Spielzeug, Kinderbücher, Kinderkleider aus vielen Jahrzehnten.

Diese didaktisch-methodisch partizipativ gestaltete Ausstellung wurde im SNM-Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Pressburg/Bratislava im April 2026 im feierlichen Rahmen mit Grußworten eröffnet und ist bis September 2026 in der Žižkova 14 zu sehen.

Die Antworten der vielen kleinen und großen Besucher stellen dem Projekt und seinen Kuratorinnen ein sehr gutes Zeugnis aus. Das zeigt: derartige Projekte sind auch für die Zukunft empfehlenswert und bedeutsam.
Das Wahrnehmen der Ausstellung führt mich zu dem Impuls: Bedeutsam ist das achtsame Pflegen einer sinnzentrierten Begegnung von Mensch-zu-Mensch, die im Kleinen anfängt und dem Frieden im gemeinsamen Haus Europa dient. Hier reichen sich Politik und Bildung die Hand: Sie dienen dem friedlichen Miteinander, das im Grunde allen Menschen am Herzen liegt und die Diktatoren in die Schranken weist. Für die Pflege dieser digitalen Erinnerungskultur möchte ich als karpatendeutscher Zeitzeuge – der 1944 mit 10 Jahren aus seinem geliebten Schwedler/Švedlár (Unterzips) vertrieben wurde und es erst nach der Samtenen Revolution (1989) wieder sehen konnte – den Initiatoren und Kuratorinnen der Ausstellung sehr herzlich danken.
Fazit: Kulturgut für ein friedliches Europa weiter lebendig erhalten
Die Ausstellung, der Podcast und die digitalen Dossiers regen an, sich mit Archivquellen und Museumsobjekten auseinanderzusetzen und sie laden zudem zum Mitgestalten ein. Sie ermöglichen durch Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie mit Expertinnen und Experten ein Wissen über aktuelle und historische Entwicklung zu erwerben und so ein Bewusstsein für die Vielfalt und Gemeinsamkeiten der Kulturen in der Donauregion zu entwickeln.
Die Ausstellung folgt im Grunde dem Leitwort 2026 des Bundes der Vertriebenen „Bekenntnis und Verantwortung: Unser Kulturgut verbindet Europa“. Kulturgut meint das, was Generationen vor uns geschaffen, bewahrt und weitergegeben haben – Materielles, wie Dinge und Orte, ebenso wie Ideelles, also Sprache, Musik, Handwerk, Bräuche, Erinnerungen und Werte.
Dieses Erbe stiftet Identität, es verbindet über Grenzen hinweg und macht Europa zu einem gemeinsamen friedlichen Auftrag. Zugleich ist es kein bloßer Rückblick: Kulturgut bleibt nur dann lebendig, wenn es gepflegt, in die Gegenwart übersetzt und weiterentwickelt wird und Bewusstseinsbildung ermöglicht.
Prof. Dr. Ferdinand Klein
