Zur dialogisch orientierten Erinnerungskultur in Bayern und in der Unterzips
Mir geht es um dienendes Handeln für den Nächsten und ich versuche mit Menschen den Dialog zu pflegen. In meinem persönlichen und beruflichen Leben führte mich der Weg zu dem jüdischen Philosophen und Pädagogen Martin Buber.
Nach seiner Anschauung drückt sich im Grundwort „Ich-Du“ das „Ich“ durch sein ganzes Sein in der Sphäre der Begegnung aus. Seine spirituelle Erkenntnis sagt mir: Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Wird aber mein Gegenüber nicht zum „Du“, sondern nur zum Gegenstand, dann besteht keine Begegnung.
Wie ich Heimat verstehen
Dieses dialogische Bemühen ist nicht zu trennen von meinen Fluchterlebnissen: Mit 10 Jahren musste ich zusammen mit meinen Eltern mein geliebtes „Schbaadla“ (Schwedler/Švedlár) in der Unterzips verlassen. Vor 82 Jahren konnte ich mein Leben zwischen den Fronten und nach acht Monaten Fluchterlebnissen gerade noch retten.
Auf diese Leiderfahrungen antworte ich mit der Trotzmacht des Geistes: Seit der Samtenen Revolution (1989) versuche ich als Mitglied der Karpatendeutschen Landsmannschaft, Landesverbandes Bayern e.V. (seit 2002 als Ehrenvorsitzender) und seit 1995 als Mitglied der Ortsgemeinschaft Schwedler des Karpatendeutschen Vereins auf das zu antworten was für mich Heimat ist.
Zum Erinnerungsbuch
Bedeutsam ist das Pflegen einer sinnzentrierten Begegnung von Mensch zu Mensch, das im Kleinen anfängt und dem Frieden dienen kann. Darauf weist mein 2025 erschienene Buch „Als Heilpädagoge im Ost-West-Dialog. Persönliche und berufliche Erfahrungen eines Karpatendeutschen“ hin: „Ich habe das große Glück, das, was ich am liebsten tue, mein Leben lang als Beruf auszuüben. Das Jahr 1997 sah mich im Ruhestand, auf den ich mich freute und den ich bis heute so unruhig wie möglich gestalte. Das verdanke ich meinem geistigen Ziehvater, dem Arzt und Pädagogen Janusz Korczak, der mit seinen 200 jüdischen Waisenhauskindern auch im Warschauer Ghetto eine republikanische Gemeinschaft pflegte.“
Korczak gestaltete mit der Trotzmacht des Geistes eine Pädagogik der Liebe, bis er und seine Kinder im August 1942 in Treblinka ermordet wurden. Er hätte sich auch anders entscheiden können, doch er folgte seinen Worten: „Ich bin nicht dazu da, um geliebt und bewundert zu werden, sondern um selbst zu wirken und zu lieben. […] ich habe die Pflicht, mich um die Welt, um den Menschen zu kümmern.“ Im Geleitwort zum Erinnerungsbuch würdigte Brunhilde Reitmeier-Zwick, Bundesvorsitzende der Karpatendeutschen Landsmannschaft Slowakei e.V. mein Bemühen: „Seit seiner Emeritierung (1997) wirkt er im versöhnenden Geist der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ an Universitäten in der Slowakei, in Tschechien, Polen, Ungarn und besonders in seinem Heimatort Schwedler. Er ist bemüht mit Resilienz, mit geistiger Kraft auf gesellschaftliche Diskriminierung, Intoleranz und neonazistische Tendenzen zu antworten.“ (S.13).
Bis heute für mein geliebtes „Schbaadla“ unterwegs
Zum 90. Geburtstag gratulierte mir Ing. Gabriela Ivančová, Vorsitzende der Ortsgemeinschaft: „Alle kommen heute mit guten Wünschen zur Dir, lieber Fredi, in dein Haus. […] Wir danken Dir, dass Du für Schwedler eine besondere Person warst und bist. Wir sind Dir dankbar für die Gründung unserer Ortsgemeinschaft und für die Hilfe in unseren Reihen, wo Du seit fast 35 Jahren ein sehr aktives Mitglied bist. Vielen, vielen Dank für die Zusammenarbeit im Verein und auch in Schwedler. Wir sind alle stolz auf Dich, lieber Fredi“ (KB 08/2024, S. 19).
Dieses heimatbezogene Handeln wurde mit der Dankurkunde gewürdigt, die mir Gabriela Ivančová am 20. Juni 2026 beim Kultur- und Begegnungsfest in Kesmark überreichte. Die Urkunde freut mich ganz besonders.

Prof. Dr. Ferdinand Klein
