Redewendung deutsche Sprache

Redewendungen auf den Zahn gefühlt

Redewendungen sind ein fester Bestandteil der deutschen Sprache und finden auch heute noch Verwendung in unserem Alltag. In passenden Situationen bringen sie häufig eine Sache genau auf den Punkt, wo sonst eine umständliche und wortreiche Umschreibung nötig wäre.

Viele Menschen allerdings, die ganz selbstverständlich Redewendungen nutzen, kennen ihre tiefere Bedeutung nicht, denn viele sind schon vor langer Zeit entstanden. Somit sind Redewendungen ein wichtiger Teil und Ausdruck unseres kulturellen Erbes. Wir stellen regelmäßig im Karpatenblatt die Bedeutung und Herkunft einiger Redewendungen alphabetisch vor. Fallen Ihnen auch interessante Redewendungen ein? Schreiben Sie uns!

I

Im siebten Himmel schweben

Wenn jemand überglücklich ist. Diese Redewendung kommt aus der Bibel. Dort besteht der Himmel aus mehreren Himmelssphären, von denen die siebte als die höchste bezeichnet wird, weil in ihr Gott und die Engel wohnen. Nach der Vorstellung der frühen Christen ist man überglücklich, wenn man im siebten Himmel schwebt und somit ganz nah bei Gott ist.

Im Stich lassen

Wer jemanden im Stich lässt, der ist nicht für einen da oder lässt ihn mit seinen Problemen allein. Diese Redewendung entstand im Mittelalter bei den damaligen Ritterturnieren. Fiel ein Ritter während eines Turniers vom Pferd, dann konnte er ohne Hilfe nicht mehr aufstehen. Die Rüstung war viel zu schwer dafür. Der gefallene Ritter konnte also leicht vom Gegner erstochen werden. Diese Situation, wenn er keine Hilfe bekam, nannte man damals „im Stich“ gelassen.

In den sauren Apfel beißen

Wenn man etwas Unangenehmes, aber Notwendiges tun muss. Diese Redewendung ist schon mehrere hundert Jahre alt. Man findet sie auch in den Texten von Martin Luther. Das Sprichwort heißt auch „Not lehrt, in saure Äpfel beißen“. Es bedeutet: Wenn es nichts Anderes gibt, müssen wir saure Äpfel essen.

In flagranti erwischen

Das lateinische „in flagrante delicto“ bedeutet, jemanden auf frischer Tat ertappen. Bezogen auf ein Verbrechen heißt das, wenn es gerade stattfindet oder stattgefunden hat. Ertappt man also jemanden in flagranti, so erwischt man ihn konkret beim Begehen einer Missetat.

In Hülle und Fülle

Bedeutet, dass von einer Sache jede Menge da ist – meist sogar zu viel. Der Ursprung dieser Redewendung liegt noch im 16. Jahrhundert. Damals war Hülle ein Wort für Kleidung, also eine Art Verhüllung des Körpers. „Fülle“ stand für Füllung des Magens, also die Nahrung. Waren im 16. Jahrhundert Hülle und Fülle vorhanden, konnten die Menschen gut überleben.

Ins Gras beißen

Benützt man, wenn jemand große Schmerzen hat und stirbt. Diese Redewendung taucht schon im Alten Testament auf. Auf den Feldern großer Kriege kam es oft vor, dass Verwundete am Boden liegend zurückgelassen wurden. Während sie qualvoll ihren Schmerzen erlagen, bissen sie wortwörtlich ins Gras. Dieses Verhalten ist übrigens auch bei Tieren zu beobachten, die bei einer Jagd verwundet werden.

Den inneren Schweinhund überwinden

Bedeutet, dass jemand sich unangenehmen Aufgaben stellt und diese erfolgreich erledigt. Schweinhunde gibt es übrigens wirklich: Das sind Hunde, die früher bei der Wildschweinjagd eingesetzt wurden. Diese sturen und bissigen Tiere zu überwältigen, ist also wirklich eine große Herausforderung.

J

Jacke wie Hose sein

Wenn etwas gleichgültig ist und keinen Unterschied macht. Angeblich stammt diese Redewendung aus dem 17. Jahrhundert, wenn es noch nicht üblich war, Jacken und Hosen eines Anzugs aus dem gleichen Stoff herzustellen. Als dies in die Mode kam, bezeichneten die Schneider das als „Jacke und Hose“.

Jeder ist seines Glückes Schmied

Diese Redewendung besagt, dass jeder für sein Glück verantwortlich ist. Den Ausspruch kannte man schon bei den alten Römern.

Jemandem den Laufpass geben

Bedeutet, das man die Beziehungen zu einer Person abbricht. Das Wort „Laufpass“ wird heutzutage gar nicht mehr gebraucht. Dabei handelt es sich um einem Begriff aus dem Militär. Jeder Soldat bekam früher nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst einen Laufpass ausgestellt. Dieser Ausweis bestätigte, dass er einvernehmlich aus dem Militär entlassen wurde und nicht desertierte.

Jemandem Honig ums Maul schmieren

Die Herkunft dieser deutschen Redewendung ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie besagt, dass dressierte Bären etwas Honig auf das Maul geschmiert bekamen – als Belohnung für ein gelungenes Kunststück und um sie gefügig zu machen.

Über den Jordan gehen

Benützt man, wenn etwas kaputtgegangen ist und weggeworfen wurde. Manchmal sagt man es auch von Menschen, wenn sie gestorben sind. Die christliche Literatur hat den Übergang über den Jordan symbolisch als Eintritt ins Himmelreich dargestellt.