Pandemie

Unsere geschichtsträchtige Coronazeit

Die Geschichte wiederholt sich nicht. Sie ist wie alles Schöpferische unerschöpflich in ihrer Phantasie und in ihren grenzenlosen Möglichkeiten. Sie vollzieht sich aber immer nach denselben Gesetzen. Weil oft diese Gesetze in gleicher oder ähnlicher Weise von Völkern oder Menschen verkannt oder übertreten werden, führt sie oft zu scheinbar gleichen Situationen oder Resultaten.

Die Zeit, die wir heute durchleben, und ihr ganzes Ringen sind einmalig und ohne Beispiel in der Geschichte. Wer die Coronazeit nach einstigen Maßstäben zu analysieren versucht, läuft Gefahr, den schlimmsten politischen, medizinischen und wirtschaftlichen Irrtümern anheimzufallen.

Augenblicklich wird um die große Impfstoffentscheidung in jeder Hinsicht gerungen. Sie wird das Kardinalproblem unseres ganzen Planeten zu einer Lösung bringen. Mit verhaltenem Atem schaut die ganze Welt diesem dramatischen Vorgang zu, wobei sie immer mehr und immer dramatischer mit hineingerissen wird.

Einmaligkeit unserer Zeit

Die Zeit, die wir heute durchleben, ist einmalig. Sie bringt für jeden erhöhte Pflichten und Anforderungen mit sich. Der eine oder der andere ist manchmal vielleicht geneigt, Pflichten und Anforderungen der Größe der Zeit gegenüber zu überschätzen. Später aber, wenn diese Zeit vorbei ist und ein stolzer Sieg sie krönt, dann werden wir alle an die Pflichten und Anforderungen, die diese Zeit an uns stellte, nur mit Freude und Stolz zurückdenken. Die Sorgen, die uns heute belasten, werden dann vergessen sein und die Monate, die wir heute in Glauben und stiller Tapferkeit durchleben, werden dann für uns nur noch in Glanz und Licht erstrahlen.

Die Augenblicke sind selten in unserem engen und kleinen Leben, da wir plötzlich innehalten in unserer Arbeit und uns ein Gefühl tiefen Schauers überfällt bei dem Gedanken, dass alles das, was um uns vor sich geht, Geschichte ist, dass in unseren Jahren eine neue Welt geboren wird und dass diese Welt heute dabei ist, die alte, dahinsinkende mit all ihren Verschrobenheiten, Verkrampfungen und Vorurteilen abzulösen.

Raus aus der Beschränktheit

Die Zeit geht weiter ihren eigenen ehernen Gang. Sie ist niemals stehen geblieben. Gerade heute schreitet sie mit Riesenschritten der großen Zukunft entgegen. Wohl dem, der sich an ihre Fersen heftet: Er wird einmal Zeuge sein in jener gesegneten Stunde, da sie das Tor aufstößt zu einem neuen segensreichen Jahrhundert. Und niemand von uns lässt sich vor allem von niemandem und durch nichts den Blick für die Größe unserer Zeit trüben.

Man weiß schon recht gut, dass wir nur durch Opfer und Entbehrungen sowie durch eine kollektive und individuelle Kraftanstrengung ohnegleichen der heimtückischen Bedrohung, vor die uns unser gemeinsamer Gegner – die mit hass- und abscheubehaftete Corona-Seuche – gestellt hatte, Herr werden.

Dazu ist jeder von uns es bereit. Wenn uns manchmal der Alltag mit seinen Mühen und Lasten schwer fällt, so ist das nur natürlich. Wer wollte sich dessen schämen? Und wer wollte bestreiten, dass wir alle dem wahren Glück der coronalosen Geborgenheit mehr zugetan sind?

Politik und Pandemiebekämpfung

Politik und Pandemiebekämpfung unterliegen im Grunde genommen denselben Funktionsgesetzen. So wie nach Clausewitz der Krieg die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln ist, so ist andererseits auch die Politik die Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln. Was auch hier und heute im Fall Corona völlig zutrifft. Es handelt sich da auch um die Verfechtung und Sicherung der Lebensinteressen der Völker, das eine Mal mit friedlichen Lockerungen, das andere Mal mit strengen, einschränkenden Maßnahmen.

Findet der Kampf im demokratischen Einvernehmen als Sieg einer Partei oder Koalition über die andere sein natürliches Ende, dann wird die Politik wieder in Funktion gesetzt. Meistens aber, und vor allem in turbulenten Zeiten, wie wir sie nicht nur seit 2019 ununterbrochen erleben, laufen beide nebeneinander und ineinander über. Man kann dann vielfach gar nicht unterscheiden, ob die angewandten Mittel des Daseinskampfes eines Landes mehr denen der Politik oder mehr denen der Corona-Pandemie zuzurechnen sind.

Nur wenn Politik und Krisenbekämpfung in einer Hand liegen, ihre Tendenzen von einer zentralen Stelle aus sinngemäß und zweckentsprechend gesteuert werden, führen sie zu Erfolgen.

Auf jeden kommt es an

Wir Karpatendeutsche fühlen heute instinktiv, dass es auf jeden einzelnen ankommt, um die Coronapandemie zu besiegen. Wir fühlen uns zwar immer noch als ein stolzer Teil des Volkes von Dichtern und Denkern, was wir bei der unlängst verlaufenen Volkszählung bewiesen haben, aber wir haben auch gelernt, dass man in der Geschichte mit Träumereien und Phantastereien nichts erreicht, dass man nüchtern und klug sein muss, dass es in der Politik und Krisenbekämpfung einer steten Wachsamkeit bedarf. Unsere demokratisch geprägte karpatendeutsche Einheit ist erst jüngeren Datums. Wir tragen noch die Narben der Wunden unserer ehemaligen durch Totalität gesteuerten, regionalen und politischen Zerrissenheit an uns; wir müssen behutsam darüber wachen, dass sie nicht wieder aufreißen und erneut zu bluten anfangen.

Schlussfolgerung

Nehmen wir unser schweres, aber auch großes Schicksal auch in diesen schweren, von Corona gezeichneten Zeiten mit Stolz auf uns. Klammern wir uns an die große Chance, die die Geschichte selbst uns bietet und lassen wir sie nicht aus den Händen, bis sie uns segnet. Entscheidend sind in dramatischen Stunden nur die Realitäten. Wir werden noch große und bewegende Tage erleben. Am Ende aber steht unser gemeinsamer Sieg über Corona. Er wird das Ergebnis eines Zusammenspiels aller Kräfte unseres Volkes wie auch Völker Europas darstellen. Er ist der Schlusspunkt einer zusammengeführten Aktion mit einem gemeinsamen Ziel, der Triumph einer aufs Ganze gehenden und auch das Ganze erfüllenden Krisenführung und Politik.

Oswald Lipták