Auf der Suche nach den Wurzeln – ein Heimatabend in Einsiedel an der Göllnitz

Die Frauen vom Literaturkränzchen bekamen vor kurzem eine ausgefallene Aufgabe. Sie sollten einen Heimatabend organisieren. Den Anlass dazu gab der Besuch von unserem Landsmann Rudolf Göllner und seiner Frau Gisela, die für eine Woche aus Freinsheim in Deutschland nach Einsiedel an der Göllnitz kamen. Nach dem Gedicht „Ansiedla!“ (Einsiedler!) von Rudolf Göllner begrüßte Frau Emme Czölder die Gäste aus Deutschland, unseren Bürgermeister, Herrn Ing. Ľudovít Kujnisch, die Mitglieder des KDVs aus den benachbarten Ortsgruppen Schwedler, Schmöllnitz, Schmöllnitz Hütte, Göllnitz und alle Anwesenden aus Einsiedel. Es folgten die Gedichte „Es Hëttnabahnal“ und „Haajaknëtchen“, die alle aus der Feder von Rudolf Göllner (1904-1991) stammen. Er war der Vater von unserem heutigen Gast, der gleich beim ersten Gespräch gesagt hat, dass er sich auf Einsiedel und die Einsiedler freut. Auf dem Programm stand auch noch das Gedicht „De Ansiedla“ (Die Einsiedler) von Adalbert Mehly (1891-1970).
Bilder der Heimat
Rudolf Göllner wurde 1942 in Einsiedel an der Göllnitz geboren, musste aber seine Heimat als Zweijähriger verlassen. Mit Großeltern, Eltern, drei Geschwistern und vielen Zipser Landsleuten ist er in die ungewisse Fremde gezogen. Heute wohnt er mit seiner Familie in der Pfalz, hatte zuvor aber längere Zeit in verschiedenen Regionen Deutschlands, in Madrid und Brasilien verbracht. Für den Heimatabend hatte Rudolf Göllner eine Lichtbilder-Präsentation mit kurzen mit Musik untermalten Fotogeschichten vorbereitet. Er ging den Fragen nach „Was ist Heimat?“ und „Kann die Zips meine Heimat sein?“. Im Verlauf dieser Präsentation haben wir erfahren, dass Herr Rudolf Göllner im Jahre 1984 zum ersten Mal in Einsiedel war. Sein Lieblingsessen sind die allen gut bekannten Haajaknëtchen. Die Traditionen an den Feiertagen werden noch immer so gepflegt, wie sie von der Mutter bekannt sind „Unsere erste Heimat in Deutschland war Waldeck“, erzählte Rudolf Göllner. Da passten ein paar Worte aus der Hymne: „Unter allen Landen deutscher Erde preis ich Waldeck, mein lieb Heimatland“. Die Anwesenden lernten bekannte Bildhauer, Maler, Ärzte, die Schriftstellerin Christine Brückner (1921-1996) sowie den Musiker Walter Scholz kennen.
„Kann die Zips meine Heimat sein?“
Mit dieser Frage beschäftigte sich unser Gast am Heimatabend. Er präsentiere slowakische Sehenswürdigkeiten – wie Bartfeld, Kesmark, Leutschau, die Tatra, die Zipser Burg. Er erkärte: „Auch wenn es sich in der Pfalz sehr gut leben lässt, meine Heimat ist Einsiedel, meine Heimat ist die Zips. Hier bin ich geboren, hier sind meine Wurzeln. Die Liebe zu Einsiedel haben mir meine Eltern eingeimpft.“ Sie hätten – und das sei das Wichtigste – immer Mantakisch mit den Kindern gesprochen. So könne er auch jetzt noch mit vielen Menschen in Einsiedel reden. „Schöne Landschaften, Baudenkmäler und Kultur reichen zur Heimatbestimmung nicht aus, die menschlichen Beziehungen sind entscheidend“, sagte Rudolf Göllner. Frau Emme Czölder bedankte sich bei unserem Gast für die ausführliche und emotionale Beschreibung seines Lebens und seiner Gefühle. Den Heimatabend schlossen die Mitglieder der Ortsgruppe des KDVs aus Göllnitz abgeschlossen. Sie sangen das Lied: „Die Heimat darfst du nie vergessen, wohin immer das Schicksal dich treibt. Die Heimat ist die Wiege des Lebens, die gern jeder Dichter beschreibt.“ Über unsere Heimat, über Einsiedel an der Göllnitz, über unsere Vorfahren, über ihr Leben und ihre Arbeit erzählen vier Fotoalben, die Frau Alžbeta Zavatzka erstellt hat. Die gesammelten Fotos sollen den nächsten Generationen als Erinnerung dienen. „Es kann in diesem Erdenleben nichts Schöneres als die Heimat geben“, war das Motto des ersten Fotoalbums. Die Anwesenden sahen diese Fotos aufmerksam an. Bei einem Imbiss ging der Abend weiter. Unser Gast beantwortete geduldig alle Fragen, es war ein gemütliches und besinnliches Beisammensein, an das alle Anwesenden noch lange Zeit denken werden. Jede anwesende Ortsgruppe des KDVs erhielt das Buch „Einstmalige königlich ungarische Bergstadt Einsiedel an der Göllnitz“. Festgehalten sind darin Erinnerungen von Rudolf Göllner, der am 8. Januar 1904 in Einsiedel an der Göllnitz geboren wurde. Das Buch werden wir lesen und später darüber sprechen.

Emme Czölder