Jakob Hönel

Berühmte Zipser: Pfarrer Jakob Hönel (1810-1885)

Jakob Hönel war einer der acht Superintendenten der von 1804 bis 1918 bestehenden evangelischen Superintendentur A.B. Galizien. Zu seinen Verdiensten gehören die Herausgabe des „Evangelischen Gesangbuches für Gemeinde und Haus“, sein Einsatz für das Gleichstellen der evangelischen Kirche im katholisch dominierten Österreich und sein soziales Engagement.
Jakob Hönel

Jakob Hönel
(Plastik auf Grabstein in Biala)

Von dem am 10. April 1810 in Mühlenbach/Mlynica geborenen Jakob Hönel wissen wir, dass er bis 1832 Schulen in Kesmark/Kézmarok und Rosenau/Rožňava besuchte. Danach studierte er bis 1836 an der theologischen Fakultät in Wien. Zwei weitere Semester folgten an der Jenaer Universität. Zurück in Wien, begann er seine kirchliche Tätigkeit unter dem berühmten Superintendenten Kristian Heyser, der ihn am 14. Januar 1838 zum Pfarrer ordinierte, d.h. in das Amt eines Pfarrers einsetzte.
Pfarrer in Biala
Die ihm zugewiesene Stelle befand sich in Biala, also ganz im Westen des damals zu Österreich gehörenden Galizien. Dort trifft Jakob Hönel vier Tage später, am 18. Januar 1838, ein. Bereits nach drei weiteren Tagen hält Hönel seine Antrittspredigt.
Staat und evangelische Kirche in Galizien
Nach der ersten Teilung Polens 1772 kamen die Herzogtümer Auschwitz und Zator, ein relativ schmales, zunächst südlich von Krakau/Krakow von Biala über Lemberg/Lwow bis Trembowla/Terebowlja und Kuty liegendes Gebiet, als Kronland Galizien zu Österreich. Für die Protestanten der Kirche des Augsburger Bekenntnisses A.B. (auch als Augsburger Confession, Kürzel A.C., bezeichnet) war die Superintendentur die höchste Landesbehörde. Sie befand sich bis 1870 in Lemberg.
Gesangbuch und Predigten
Bereits 1853 war ein „Evangelisches Gesangbuch für Gemeinde und Haus“, das Hönel zusammen mit dem Pfarrer Karl Samuel Schneider aus der Nachbarstadt Bielitz/Biela erarbeitet hatte, erschienen. Dieses Gesangbuch enthielt 795 Lieder und einen Anhang mit Gebeten. Es hob sich vorteilhaft von den in dieser Zeit erschienenen Gesangbüchern ab. Sehr schnell wurde es von allen galizischen und den schlesischen deutschen Gemeinden akzeptiert. In Buchform gab Hönel auch seine Predigten heraus. Die ersten „Festpredigten“ erschienen 1845 in Wien. Später, anlässlich seines 25-jährigen Berufsjubiläums im Jahr 1863, wurde in Teschen/Tešin ein weiteres Buch mit Predigten und Reden von Hönel veröffentlicht.
Soziales Engagement
In der „Geschichte der evangelischen Gemeinde zu Biala in Galizien“ aus dem Jahr 1860 werden die Bemühungen von Jakob Hönel für eine finanzielle Unterstützung der Witwen von Lehrern und Pfarrern gewürdigt. Um die Schulkinder kümmerte er sich in besonderer Weise. Als die Zahl der aus dem benachbarten Kunzendorf nach Biala kommenden Schüler zunahm und immer mehr Kinder den weiten Weg nach Biala gehen mussten, setzte er sich erfolgreich für den Bau einer Dorfschule in diesem Ort ein. Bei deren Finanzierung ging er mit gutem Beispiel voran. Er spendete dazu die Einnahmen aus seinem 1845 erschienenen Büchlein „Festpredigten“ in Höhe von 234 Gulden und 42 Kreuzer. Nach dem österreichischen Reichsvolksschulgesetz von 1869 löste die achtjährige Schule die sechsjährige ab. Die Klassengröße wurde auf maximal 80 Schüler begrenzt und die Bildungsaufsicht der Kirche entzogen. Hönel setzte für seine Gemeinden durch, dass die kirchlichen Schulen als Privatanstalten weiter unterrichten konnten und fand Wege für die Aufnahme von Kindern aus finanziell schwachen Familien.
Superintendent Galiziens
Dass der Sitz der Superintendentur 1870 nach Biala verlegt wurde und dort bis 1885 blieb, hängt mit der zu diesem Zeitpunkt erfolgten Ernennung von Jakob Hönel zum Superintendenten zusammen. Nach Samuel Bredetzky (vgl. KB 8/2017) war er damit der zweite Zipser in dieser verantwortungsvollen Funktion. Er führte sie 15 Jahre aus – bis zu seinem Tode am 16. November 1885.

Dr. Heinz Schleusener