Die Karpatendeutsche Landsmannschaft in Nordamerika

In der Karpatenpost erschien ein interessanter Brief, der einen Einblick in die Gründung und die Gegenwart der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Nordamerika liefert. Der Absender des Schreibens ist Albert Fakundiny, der ursprünglich aus der Nähe von Preßburg stammt und nach Amerika auswanderte. Albert Fakundiny kam am 4. Dezember 1928 in Bösing/Pezinok bei Preßburg/Bratislava auf die Welt. Nach der Vertreibung fand er mit seiner Mutter und drei Geschwistern in Deutschland im schwäbischen Heubach eine erste Bleibe. Dort lernte er bald seine Frau Hannelore Stegmaier kennen. 1948 heirateten sie und wenige Jahre später wurden dem Ehepaar eine Tochter und ein Sohn geschenkt. 1953 entschloss sich die junge Familie in die USA auszuwandern. Dort fanden sie in Norwalk im Bundesstaat Connecticut (CT) ein neues Zuhause. Dem Ehepaar wurde in den 1960er Jahren mit Linda ein drittes Kind geboren.
Karpatendeutsche in Amerika

Karpatendeutscher in Amerika: Albert Fakundiny
© Famile Fakundiny

 
Der Weg zur Karpatendeutschen Landsmannschaft
Die um New York liegenden Bundesstaaten, darunter auch Connecticut und speziell die Gegend um seine Hauptstadt Hartford, waren schon im ausgehenden 19. Jahrhundert ein beliebtes Ziel für viele karpatendeutsche Auswanderer. Es waren so viele, dass sie sich dort organisieren konnten, zum Beispiel im Zipser Bund. Sie brachten sogar eigene Zeitungen heraus. Als 1979 in Connecticut auf Betreiben des aus Göllnitz/Gelnica stammenden Pfarrers Zoltan Antony und Geza Schwartz aus Forberg/Folvarky der Versuch gestartet wurde, eine „Karpatendeutsche Landsmannschaft Inc. in den USA und Kanada“ zu gründen, war es Albert Fakundiny, der die Verantwortung übernahm, für deren offizielle Registrierung zu sorgen.   Er scharte dazu viele der in Connecticut lebenden Landsleute um sich und veranlasste darauf die offizielle Registrierung der Vereinigung in Hartford. Daraufhin wurde er auch zum Landesvorsitzenden (Obmann) der Karpatendeutschen in Connecticut gewählt. Er bekleidete dieses Amt über viele Jahre hinweg, bis diese regionale Funktion aufgrund der Überalterung und der dadurch zusehends kleiner werdenden Schar Karpatendeutscher in Connecticut aufgegeben werden musste. Aber lassen wir nun Albert Fakundiny selbst zu Wort kommen:   „(…) Seit 1953 lebe ich in den USA und es freut mich besonders, immer etwas über unsere Landsleute zu erfahren. Ende 1979 wurde ich von Pfarrer Zoltan Antony, aus Göllnitz stammend, und Geza Schwartz, geboren in Forberg, gebeten, die Namen und Adressen unserer Landsleute hier in Connecticut zu erfassen. Was ich zusammen mit einigen Landsleuten auch erledigen konnte. Die meisten von uns wohnen hier nahe beieinander, so kam es bald zu einer ersten Zusammenkunft von 29 Landsleuten aus der Zips und aus Bösing im Haus von Geza Schwartz. Wir fassten dort den Beschluss, eine „Karpatendeutsche Landsmannschaft Inc. in den USA und Kanada“ zu gründen. Diese ließen wir in Hartford CT registrieren.   Zu Weihnachten hatten wir ein erstes Treffen in der Immanuel Evangelical Lutheran Church in Philadelphia, das gut besucht war. Hauptsächlich waren es Zipser, die um 1920 in die USA einwanderten und sich auch hier in Danbury und Manchester CT ansiedelten. Danach wurden regelmäßig Treffen in Philadelphia und in Danbury CT organisiert. Der Vorsitzende war Pfarrer Dr. Zoltan Antony, sein Stellvertreter war Pfarrer Johann Schweitzer aus Eisdorf/Žakovce. Nach dem Tode von Pfarrer Antony wurde Johann Gally aus Forberg/Zips zum Vorsitzenden gewählt. Dessen Nachfolger wurde wiederum der aus Neuwalddorf/Nová Lesná stammende Herb Zaborsky, der dieses Amt in Philadelphia bis heute ausübt.  
Ein Ehrenmal für die verstorbenen Landsleute
(…) Hans Weiss ermöglichte es uns, für unsere in der alten Heimat umgekommenen Landsleute ein Ehrenmal zu errichten. Zuerst war es ein hölzernes Kreuz, das wir 1990 als Mahnmal auf dem evangelischen Friedhof in Danbury CT aufstellten. 2001 konnten wir das Holzkreuz durch ein sehr schön gestaltetes großes Denkmal aus fein geschliffenem schwarzen Granit ersetzen. Es stellt symbolisch die drei karpatendeutschen Sprachinseln in der Slowakei dar. Für jede Sprachinsel werden die Namen der im Krieg und durch die Vertreibung umgekommenen Landsleute aufgeführt. Hans Weiss war die treibende Kraft und der Künstler und Architekt dieses Projektes.  
Karpatendeutsche in Amerika

Das Denkmal für die gefallenen Karpatendeutschen in Danbury © carpathiangerman.com

  Nach jedem Treffen in Danbury CT besuchen wir auch das Denkmal auf dem evangelischen Friedhof in Danbury und gedenken dort unserer umgekommenen Landsleute. Im Oktober 2016 hatten wir unser letztes Treffen in Danbury CT., an dem leider nur noch 23 Landsleute teilnehmen konnten. Das gemeinsame Dinner und die Ansprache fanden einen großen Anklang bei den Teilnehmern. Im offiziellen Teil wurde beschlossen, dass wir unser erstes Treffen im neuen Jahr in Philadelphia durchführen werden (…)“

Werner Laser

(Karpatenpost, Februar 2017)