Ein Werk zur Wiederbelebung des Zipser Schrifttums

Die Bücher sind unsere guten Freunde. Sie begleiten uns von frühester Jugend an bis ins späte Greisenalter. Wir Karpatendeutsche als Teil des Volkes der Dichter und Denker können uns ein menschliches Leben ohne Buch überhaupt nicht vorstellen. Im Buch spiegelt sich unsere Zeit wider, im Buch versuchen wir die Vergangenheit zu erforschen und die Zukunft zu ergründen.

Das Buch ist für uns Wegweiser und Ansporn zugleich. Und gerade dann, wenn die Zeiten die Menschen vor besondere Probleme stellen, dann flüchten wir uns gern in die romantische Weite des Buches und geben uns mit ganzer Herzensliebe der schwarz-weißen Magie der Seiten und Lettern hin.

Was das Buch für uns bedeutet, das hat unsere karpatendeutsche Lesergemeinde in dieser Krise in vollem Umfang erfahren. Viele unter ihnen, die vielleicht das Buch in den Zeiten, in denen es ihnen leicht und ohne besondere Einschränkungen zur Verfügung stand, nicht immer so hochschätzten, wie es das eigentlich verdiente, haben es erst wieder in ganzer Tiefe lieben und achten gelernt, als sie so vieles entbehren mussten.

Die Zipser Trilogie

In seinem Inhalt wie in seiner äußeren Gestaltung ist die karpatendeutsche Trilogie „Zipser erzählen“ vom Realisierungsteam Prof. Dr. Ferdinand Klein, Dr. Anna Klein-Kruśinová, Frau Aranka Stigloher-Lipták und Ladislaus Müller beispielgebend für die ganze Lesergemeinde wie auch Kulturschaffenden unter den Karpatendeutschen geworden.

Das schöne Buch in seiner Dreierausgabe, im Inhalt wie in seiner äußeren Form, ist auch dank der ergiebigen Beiträge des Karpatenfunks, dem Podcast des Karpatenblattes, hörbar geworden.

In dieser schön zusammengefassten Trilogie haben viele Dichter und Verkünder unserer Unter- und Oberzipser Volksseele, die ihre Gedanken und Gemüte in Vers und Prosa ihren Ausdruck verliehen, ihren gebührenden Platz gefunden, um unserer Generation einen Überblick über die unvergänglichen Werte zu vermitteln, ihren Zeitgeist und den daraus folgenden Verweis zu verkünden.

Angefangen mit dem Unterzipser Dichterfürst Franz Ratzenberger, der die unbeschreibliche Natur und das Wesen der unterm Buchwald lebenden Schwedler Leute samt unserer zauberhaften und von Sagen umwobenen Umgebung in seinem unvergänglichen Werk „Über Berg und Tal“ in der Schwedler Mundart schilderte, bis hin zu Franz Richweis, der seiner immer anwachsenden und erfrischenden Verwurzelung mit seinem Heimatdorf Ausdruck verlieh, findet hier beim Lesen dieser Werke ein bewundernswertes Zeit- und Raumpanorama statt. In dieser Trilogie kann man am besten erkennen, was unsere Dichter und Schriftsteller für unsere Buchkultur und unsere Kultur selbst bedeuten und was wir ihnen zu verdanken haben. Wie auf allen anderen Gebieten, so geht auch auf dem Gebiet des karpatendeutschen Schrifttums die Wirkung vom Menschen aus.

Wert der Mundartdichtung für Jung und Alt

Ich lenke die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese besondere karpatendeutsche Buchproduktion, weil ich das Empfinden habe, dass hier, an der Höhe unserer gesamten karpatendeutschen Literatur gemessen, noch einiges nachzuholen ist. Ich meine die Mundartdichtung und erzählerische Prosa für Alt und Jung von heute, vor allem für Kinder. Kinder beginnen schon in frühen Jahren zu lesen. Ihr angeborener Bildungstrieb erwacht bei ihnen recht zeitig; Kinder, deren Gemüter noch der stärksten Prägung fähig sind, haben gerade deshalb auch einen Anspruch auf so gute Buchwerke wie eben diese Trilogie.

Unser Kinderbuch hält heute noch nicht das, was es verspricht. Wir suchen Bücher für unsere Kinder, die in allgemeinverständlicher Weise dem Kind das Leben in all seinen Schilderungen und Verzweigungen nahebringen. Wo unsere Kinder gute Bücher lesen wollen, müssen sie vielfach noch auf die aus vergangenen Zeiten zurückgreife. Nur in der Mundart lebt das Leben und Wesen jedes Volkes wie auch jeder Volksgruppe immer wieder fort und auf.

So auch der Zipser- und Karpatendeutschen. Und dasselbe gilt auch für das Buch für Erwachsene. Es ist vielleicht eine der ergreifendsten Erscheinungen dieser schwierigen Zeit, dass sich hier das wiederholt, was unsere Vorfahren in weit zurückliegenden von Krisen und Kriegen geprägten Zeiten erlebten: Der Leser, in und nicht selten auch fern von der Heimat, wie unsere Landsleute, zu denen auch die Verfasser dieser schönen Trilogie gehören, ruft nach dem Buch, weil er in ihm eine Brücke zum Leben und zur Heimat sieht. Das Buch, in früheren Zeiten ein selbstverständlicher Genosse seines Lebens, wird ihm nun zum manchmal lang entbehrten Kameraden, mit dem ihn liebste Erinnerungen und Gedanken an die jugendliche Vergangenheit und an die Zukunft verknüpfen.

Buch als Zeichen der Zeitgestaltung

So wie das Buch ein Zeichen der Zeit ist, so ist die Zeit auch im Buch gestaltet worden. Niemals kam aber das Erfordernis der Erhaltung und Wiederbelebung in unserer karpatendeutschen Geschichte stärker zum Ausdruck als heute. Wenn wir ein so aufrechthaltendes Werk wie die Zipser Trilogie hierbei mit in Betracht ziehen dürfen, so ist es nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten, dass in ihr enthaltene Prosa- und Verswerke geistige Zeugen und Verweise auch für unsere Zeit geworden sind.

Das ist umso verständlicher in einer Volksgruppe wie bei uns Karpatendeutschen, da wir zum Buch immer ein besonders vertrautes und inniges Verhältnis hatten und pflegten. Unsere Volksgruppe ist, war und bleibt ohne Buch eigentlich gar nicht denkbar.

Schlussfolgerung und Dankesworte

Diese immerwährende Umwandlung des Zipser- und karpatendeutschen Volkswesens mag in unserer zukunftsgewandten Zeit wiederum zur Geltung kommen. Und dafür gebührt auch den Verfassern der Zipser Trilogie, vor allem dem Taufvater dieses Werkes, Herrn Professor Ferdinand Klein, der unlängst, am 10. Mai in voller Lebenskraft seinen sechsundachtzigsten Geburtstag feierte, unser aufrichtiger Dank und Glückwunsch.

Wir verneigen uns in Ehrfurcht und Liebe vor unserem geistschaffenden Menschen. Das stark ausgeprägte Verhältnis zum Buch der Karpatendeutschen hat hier seinen Ausdruck im Buch selbst gefunden. Nur ein Volk, das sein Buch und seine Buchtradition liebevoll schätzt und pflegt, verdient ein Volk genannt zu werden.

Möge das Lesen der in dieser Trilogie beinhaltenden Werke unserer Poesie und Prosa für jeden lieben Leser und jede liebe Leserin Quell steter innerer Freude, nährender Stärkung und gemütlicher Besinnung werden.

Oswald Lipták