David Frölich

Geograph und Kalendergestalter David Frölich

Haben Sie einen Kalender? Verzeihung, natürlich haben Sie mehrere – gedruckte oder elektronische im Mobiltelefon oder Computer. Wenn Sie den Kalender benutzen, sollten Sie an den Zipser David Frölich denken. Warum? Frölich wurde vor allem als Kalendermacher berühmt.

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Dieser Kalender für das Jahr 1663 erschien 15 Jahre nach Frölichs Tod und ist dessen Kalendern ähnlich.

David Frölich (wir finden später auch die Schreibweise Fröhlich) wurde 1595 oder 1600 in Kesmark/Kežmarok als Sohn von Johann Frölich und Margaretha Clemens geboren. Für das erstgenannte Geburtsjahr und den Geburtsort spricht die Mehrzahl historischer Quellen.

Sein Vater, der 1591 in Wittenberg das Studium abschloss, war zu dieser Zeit im benachbarten Leibitz/Ľubica Rektor der evangelisch-lutherischen Schule.

Bildung auf Reisen

Auch David besuchte Lehrstätten und Städte außerhalb der Zips. Das tat er allerdings sehr ausgiebig. Es begann während der Unterrichtszeit mit einer Reise nach Rostock, die ihm seine Schule in Kesmark finanzierte.

Von Kesmark wechselte er dann auf das evangelische Gymnasium im damals preußischen Elbing/Elblag. Weiter ging es nach Königsberg/Kralovec, dann nach Danzig/ Gdansk und später nach Stettin/Štetín und Stargard.

David Frölich
Unterschrift in Latein: „David Frölichius“

David studierte an den Universitäten in Frankfurt an der Oder (ab 1620) und Wittenberg (1627-1628). Sein Interesse galt bald der Mathematik, er studierte aber auch Astronomie, Verslehre und Medizin. Frölich bereiste weitere Städte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wie Jena oder Prag und auch Frankreich. Nach Weißenburg in Siebenbürgen lud ihn der Enzyklopäde Johann Alsted (1588-1638) ein. Erst etwa 1630 kehrte er in seine Heimat zurück.

Liebe auf den ersten Blick

Während seiner Zeit in Stargard kam Frölich im Jahr 1620 mit David Herlich (1557-1636), der als Arzt, Meteorologe, Astronom und Kalendermacher bekannt war, zusammen. Bei dieser Begegnung wurde dem vielseitig gebildeten jungen Mann bewusst, dass in einem Kalender vielfältige Informationen zusammengeführt werden können.

Während des folgenden Studiums in Frankfurt an der Oder begann Frölich, sich intensiv mit Kalendern zu beschäftigen. Es dauerte dann noch zwei Jahre, bis sein erster Kalender zusammengestellt war.

Kalendarisches Erstlingswerk

Sein erster Kalender, ein Schreibkalender mit dem Titel „Diarivm oder Newer auch Alter Schreibcalender auf das Jahr 1623“ erschien 1622. Das Typische an einem Schreibkalender war zu dieser Zeit die Aufteilung der Seiten des in Buchform gedruckten Kalenders. Auf den linken Seiten standen die kalendarischen Informationen, die rechte Seite blieb für eigene Notizen frei.

Wissensvermittler

Frölich nutzte den Kalender, um in unterhaltsamer Form Wissen aus den Bereichen Geographie, Ethnographie, Astronomie, geschichtliche Ereignisse (Krónika), und Wetterprognosen anhand der Sternkonstellation (Prognosticon) zu vermitteln. Dabei trat er humorvoll falschen Annahmen und Ansichten seiner Zeit entgegen. Die Kalender widmete er Persönlichkeiten oder Städten (z.B. Kesmark), welche den Druck mit Geldspenden ermöglichten.

Zu Frölichs Verdiensten zählen das Erstellen eines ewigen Kalenders und Vorausberechnungen von Sonnen- und Mondbahnen. Heute befinden sich 32 seiner 68 oder 70 gedruckten Kalender in der ungarischen Nationalbibliothek. Frölichs Kalender hatten einen so guten Ruf, dass noch lange nach seinem Tod andere Kalendermacher Frölichs Namen nutzten, um Käufer zu locken.

Dank des Kaisers

Von Kaiser Ferdinand III., dem er einen Kalender widmete, erhielt er 1640 den Titel „Kaiserlicher und Königlicher Mathematiker“ und eine jährliche Besoldung. Im Gegensatz zu anderen Darstellungen belegen Dokumente der Schule in Kesmark, dass David Frölich nach seiner Rückkehr dort nicht Rektor der Schule gewesen sein kann. Er war vielmehr ein mit großem Forschungsdrang ausgestatteter Privatgelehrter und Schriftsteller. Wie viele Kesmarker wurde er zum Verständnis der Natur und der Berge erzogen.

Als 15-Jähriger bestieg er mit zwei Mitschülern die Lomnitzer Spitze. Dabei untersuchte er die atmosphärischen Verhältnisse in größeren Höhen und beschrieb diese als Jugendlicher bereits so, wie sie später von Torelli (1608-1647) und Pascal (1623-1662) gemessen wurden. Frölich war auch der erste ungarische Gelehrte, der die Erkenntnisse von Kopernikus (1473-1543) und Galilei (1564-1642) bezüglich der Bahn der Erde um die Sonne kannte und verbreitete.

David Frölich
Auch das stand in Frölichs Kalender: Wann man aderlassen, baden und säen sollte und ob ein unglücklicher Tag bevorstand.

3Umfassendes Werk

Das umfangreiche literarische Schaffen Frölichs liegt nur teilweise gedruckt vor. Neben drei Büchern über Kalender und einem über Astronomie sind seine lateinische Chronographie Pannoniens, das kulturgeschichtlich interessante „Viatorium“ (Reisehandbuch, 1644), sein viel beachtetes Buch über praktische Geographie „Medulla Geographiae practicae” (1639) und das ethnologisch-historische Buch „Der uralte deutsch-ungrisch-zipserische und siebenbürgische Landsmann“ (1641) zu nennen.

Erst nach Frölichs frühem Tod am 24. April 1648 in Leutschau/Levoča wurde auch sein geographisches Werk anerkannt und insbesondere seine „Landcharten“ und seine zu Ländern, Städten und Flüssen gesammelten Informationen verwendet.

Dr. Heinz Schleusener