Literaturkränzchen

Literaturkränzchen Einsiedel an der Göllnitz

Es war wieder an der Zeit, dass sich unsere Frauen in Einsiedel an der Göllnitz/Mníšek nad Hnilcom zu einer Tasse Kaffee oder Tee verabredet haben, um über interessante Bücher zu sprechen und gefühlvolle Gedichte zu lesen. Den Nachmittag haben wir mit Bertolt Brecht begonnen. Er ist 1898 in Augsburg geboren und 1956 in Ost-Berlin gestorben. Er war ein einflussreicher deutscher Dramatiker, Librettist und Lyriker des 20. Jahrhunderts. Außerdem war er Mitbegründer und maßgeblicher Theoretiker des „epischen Theaters“. Seine Bühnenwerke werden bis heute weltweit aufgeführt, seine Gedichte wurden in nahezu alle Weltsprachen übersetzt. Wir haben schon öfter über ihn gesprochen, dieses Mal haben wir „Dem Kaukasischen Kreidekreis“ gewidmet. Dabei handelt es sich um ein Theaterstück, das im US-amerikanischen Santa Monica entstand und im Jahre 1948 uraufgeführt wurde. Erst im Jahre 1954 kam es im Berliner Theater zu der ersten Aufführung in deutscher Sprache, mit Helene Weigel in der Hauptrolle.
Brecht hätte 120. Geburtstag gefeiert
Brecht-Statue Berlin

Das Brecht-Denkmal in Berlin

Aufmerksamkeit schenkten wir auch dem Gedichtzyklus „Buckower Elegien“. Diese Gedichte schrieb Bertolt Brecht überwiegend im Juli und August 1953 in seinem Wohnsitz in Buckow am Schermützelsee in der Märkischen Schweiz. Eines der Gedichte ist „Der Rauch“: „Das kleine Haus unter Bäumen am See. Vom Dach steigt Rauch.    Fehlte er, wie trostlos, dann wäre Haus, Bäume und See.“ Auf den ersten Blick handelt es sich bei diesem Gedicht um Naturlyrik, aber es hat auch einen persönlichen Bezug zu Brecht. Mit seiner Frau Helene Weigel bewohnte er das Haupthaus und in einem kleinen Gartenhaus hatte er seine Mitarbeiterin und Geliebte untergebracht. Immer, wenn sie ihn empfangen wollte, nutzte sie den Kamin, um Brecht ein Zeichen zu geben. Wir erinnerten uns an seinen 120. Geburtstag. Ein anderer Jahrestag führte uns zu dem Buch die „Weiße Rose“, das Michaela Ella Hajduková in ihrem Buch „Ein deutsches Mädchen weint nicht“ erwähnte. In der ARD-Tagesschau hat der Moderator am 22. Februar 2018 die Zuschaue darauf aufmerksam gemacht, dass an diesem Tag der 75. Todestag der Geschwister Hans und Sophie Scholl ist. Die Geschwister sind in Ulm aufgewachsen. Sie gehörten zu den bekanntesten Widerstandskämpfern der Nazi-Zeit. Mit Flugblättern wehrten sich die Geschwister gegen das NS-Regime. Dafür mussten die Studenten mit ihrem Leben bezahlen. Schüler des Hans und Sophie Scholl-Gymnasium in Ulm verteilten am 22. Februar 2018 selbst gebastelte weiße Rosen in der Stadt. So gedachte die Schulgemeinschaft ihrer Namensgeber und betonte, dass sich immer an die beiden und ihre Taten erinnern soll.
Bonhoeffers große Liebe
Auf ein anderes Buch machte uns das ZDF-Morgenmagazin aufmerksam: „Bonhoeffers große Liebe. Die unendliche Geschichte der Maria von Wedemeyer“. Es kam im Vorjahr in Leipzig heraus und geschrieben hat es der Schriftsteller Fabian Vogt, der 1967 in Frankfurt am Main geboren wurde. Darin bittet ein junger Jesuitenpater Maria von Wedemeyer, die ehemalige Verlobte Dietrich Bonhoeffers, um ein Gespräch.
Bonhoeffer-Buch

„Bonhoeffers große Liebe“ von Fabian Vogt

Er möchte mehr über den Menschen erfahren, den alle Welt als Theologen, Widerstandskämpfer und Märtyrer verehrt. Maria von Wedemeyer lässt sich überraschenderweise erstmals darauf ein. Fabian Vogt erzählt einfühlsam, bewegend und trotz aller Dramatik höchst unterhaltsam die Liebesgeschichte eines der berühmtesten Paare der Welt. Es lohnt sich dieses Buch zu lesen. Auch Oskar Maria Graf hat einiges an lesenswerter Lektüre hinterlassen. Der deutsche Schriftsteller und Dichter ist 1894 in Berg-Starnberg geboren. Er starb 1967 in New York, in den USA. Ab 1900 besuchte er die Dorfschule in Aufkirchen, wo er eine Zeit lang mit seinem ältesten Bruder Max in der Bäckerei arbeitete. 1911 hatte er das Elternhaus verlassen, um in München als Schriftsteller tätig zu sein. 1914 erschienen erste Gedichte von ihm. Am 17. Februar 1933 fuhr er zu einer Vortragsreise nach Wien, dies war der Beginn seines Exils. Er floh über die Niederlande in die USA, wo er sich in New York niederließ. Oskar Maria Graf pflegte Kontakte zu vielen Literaten des 20. Jahrhunderts. Als prägend für seine literarische Laufbahn beschreibt er eine Begegnung mit Thomas Mann in München.
Die Geschichte von Resl und Max Graf
Grafs Buch_Das Leben meiner Mutter

„Das Leben meiner Mutter“ von Oskar Maria Graf

Wir sprachen über seinen autobiografischen Roman „Das Leben meiner Mutter“. Dieser Roman hat ihm und seinem Geburtsort Berg am Starnbergersee Weltruhm beschert. Thomas Mann sah in „Das Leben meiner Mutter“ ein wahres Monument. Resl, genauer gesagt Therese Heimrat, war mit dem Bäcker Max Graf verheiratet. Die Ehe war von den Eltern arrangiert worden. Resl stand von früh bis spät hinter dem Tresen des Bäckerladens in Berg und auch mit ihrem Mann hatte sie nicht viel zu lachen. Wir lasen das Gedicht „Heimat überall“ Oskar Maria Graf. Er soll einmal gesagt haben: „Talent ist einfach nicht genug. Worauf es wirklich ankommt, ist das Stehvermögen“.

Ilse Stupák