SNM-Museum der Kultur der Karpatendeutschen

Neue Ausstellung zeigt Kindheits- und Jugendmomente in Donauländern

„Everyday Danube. Childhood & Youth“ lautet der Titel einer Ausstellung, die seit Mitte April im SNM-Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Pressburg/Bratislava zu sehen ist. Sie zeigt Momentaufnahmen aus Kindheit und Jugend in mehreren Ländern an der Donau und lädt die Besucher ein, sich mit ihrem eigenen Aufwachsen auseinanderzusetzen.

Vier Kuratorinnen aus vier Ländern haben eineinhalb Jahre an dem Konzept der Ausstellung gearbeitet: Projektleiterin Sarah Wirschke vom Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa in Freiburg, dr. sc. Ludmila D. Cojocaru vom Nationalmuseum der Geschichte der Republik Moldau in Chişinău, Jesenka Ricl vom Museum Slawoniens in Osijek in Kroatien und Katrin Litschko vom SNM-Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Pressburg. Das Konzept entstand ausschließlich online. Zu sehen sind rund vierzig Fotografien aus fünf Ländern, die meisten von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Kuratorinnen wollten mit der Ausstellung nicht explizit historische Zusammenhänge darstellen, sondern zeigen, was das Aufwachsen damals und heute ausmacht, was es verbindet und auch, was es unterscheidet.

Die Ausstellung ist in leicht abgeänderter Form Anfang April in Osijek eröffnet worden und wird ab Anfang Juni auch in Chişinău zu sehen sein. In Pressburg sind die Texte dreisprachig  – slowakisch, englisch und deutsch. Als Bild- und Textträger dienen unter anderem großformatige Würfel. Sie sind inhaltlich in drei Bereiche unterteilt, die farblich unterschieden sind.

Everyday Danube
Blick in die Ausstellung „Everyday Danube. Childhood & Youth“

Gelb: Zugehörigkeit// Bindungen & Beginne

Der gelbe Bereich beschäftigt sich mit Fragen wie „Wie sieht der Beginn des Lebens aus?“, „Wie beeinflusst Arbeit in der Landwirtschaft die frühen Jahre?“ oder „Welche Rolle spielen Freundschaften und familiäre Bindungen?“ Zu sehen ist etwa die Fotografie einer jungen Frau, die sich 1936 im mittelslowakischen Deutsch Litta/Kopernica um ihre beiden Kinder kümmert, die in einer tragbaren Wiege ruhen. Diese bestand aus Holzstangen und einem Leinentuch. Im örtlichen deutschen Dialekt wurde die Wiege „Hotschensfangen“ genannt.

Gezeigt werden auch verschiedene Exponate wie Plüschbären aus unterschiedlichen Epochen. Auf den Ausstellungstafeln findet man außerdem QR-Codes, über die man sich Mundartaufnahmen aus den karpatendeutschen Regionen anhören kann – Kinderreime oder Kinderlieder etwa.

Blau: Entdecken // Orte & Objekte

Im blauen Bereich findet man Fotos zu Fragen wie „Wie prägen die Umgebung und Objekte das Aufwachsen?“, „Wie entdecken Kinder im Spiel Räume für sich?“ oder „Welche Rolle spielt die Bildung?“ Neben Exponaten zum Thema Schule kann man in diesem Themenbereich auch einen Blick auf Zeugnisse aus verschiedenen Epochen und Ländern werfen, das älteste ist 150 Jahre alt, das jüngste wenige Wochen.

Grün: Erinnern // Erfahrungen & Ereignisse

Der grüne Ausstellungsbereich geht Fragen nach wie „Wie erinnern Familien sich an Kindheiten?“, „Welche Ereignisse sind besonders wichtig?“ oder „Welche Kindheitserinnerungen werden verdrängt?“ Zu sehen ist etwa eine Fotografie des Umsiedlungslagers in Ybbs an der Donau im heutigen Österreich aus den 1940er Jahren. Der „Hitler-Stalin-Pakt“ (23. August 1939) mit seinem geheimen „Zusatzprotokoll“ bewirkte unter anderem die Umsiedlung zahlreicher Angehöriger deutscher Minderheiten des östlichen und südöstlichen Europas. Die sogenannte „Volksdeutsche Mittelstelle“ organisierte den Transport und die Unterbringung in Lagern wie in Ybbs. Der Verlust des Zuhauses infolge des Zweiten Weltkriegs war für viele Kinder ein traumatisches Erlebnis.

Interaktive Stationen

Die Besucher werden auch selbst eingeladen, sich an der Ausstellung zu beteiligen und über ihre Kindheit und Jugend nachzudenken. An einer Wand sind Fragen zu finden, die zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Aufwachsen anregen sollen: Was ist Ihre früheste Kindheitserinnerung? Welchen Geruch verbinden Sie mit Ihrer Kindheit? Welche Erfahrung aus ihrer Jugend wollen Sie weitergeben? Die Antworten können die Besucher auf farblich auf die Ausstellung abgestimmten Notizzetteln festhalten, an die Wand kleben und so die Ausstellung selbst mitgestalten.

Die Fragen können die Besucher aber auch selbst mit nach Hause nehmen und mit jemandem besprechen, den Sie gerne näher kennenlernen wollen. Das Museum bietet Ausschneidebögen für einen Würfel an, auf dessen Seiten Fragen der Ausstellung zu finden sind. Wer den Würfel bastelt, kann die Fragen als Gesprächsanlass nehmen, um sich mit dem Gegenüber über Kindheit und Jugend zu unterhalten.

Zu sehen ist die Ausstellung in Pressburg in der Žižkova 14 bis September 2026.

Die Ausstellung Everyday Danube. Childhood & Youth entstand im Rahmen des Projekts „EVERYDAY DANUBE. Open Educational Resource on Everyday Culture in the Danube Region“ und wurde durch das IKDE in Zusammenarbeit mit den Kultur- und Bildungspartnern durchgeführt. Das Projekt „EVERYDAY DANUBE“ wird von der Baden-Württemberg Stiftung im Programm „Perspektive Donau” gefördert und aus Mitteln des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen finanziert, die vom Landtag von Baden-Württemberg bereitgestellt wurden.

Red

Fotos: Juraj Rapoš