Wieskirche

UNESCO-Welterbe „Die Wies“

Die Wieskirche bei Steingaden im süddeutschen Pfaffenwinkel steht seit dem Jahr 1983 auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten. „Die Wies“ wird aufgrund ihrer herausragenden künstlerischen Bedeutung auch „Rokokojuwel“ genannt. Ihren Ursprung hat die Wallfahrtskirche in einem Tränenwunder aus dem 18. Jahrhundert.

Wieskirche

Die Wieskirche steht seit 1983 auf der Liste der Unesco-Weltkulturerbe.
© wikimedia/Martin Falbisoner

Die Brüder Dominikus und Baptist Zimmermann haben in der Kirche einen Kirchenraum geschaffen, der in herrlichem Stuckwerk erblüht, jedoch nicht zu überladen oder zu üppig erscheint. Im Jahre 1745 begannen die Bauarbeiten, die der berühmte Architekt Dominikus Zimmermann, einer der beiden Brüder, leitete. Schon nach ein paar Jahren wurde im Jahre 1749 der Chor geweiht, die Kirche jedoch erst im Jahre 1754. Die Dekoration in der Kirche stammt von Dominikus Zimmermann und die Deckengemälde von seinem Bruder Johann Baptist Zimmermann, der Hofmaler des bayerischen Kurfürsten war. Die Wallfahrtskirche ist 60 Meter lang ohne das Prälatenhaus, 25 Meter breit und knapp 32 Meter bis zum Dachscheitel hoch. Sie hat sieben Glocken und der Turm misst 36 Meter.

Wieskirche

Das Gnadenbild des gegeißelten Heilands in der Wieskirche.
© wikimedia/Harro52

Tränenwunder aus dem 18. Jahrhundert

Mit der Wallfahrtskirche in Steingaden verbindet man ein Tränenwunder, das am 14. Juni 1738 geschah und bisher unerklärbar ist. Die Figur des gegeißelten Heilandes aus dem Kloster Steingaden, die von 1732 bis 1734 bei der Karfreitagsprozession mitgetragen wurde, wurde auf einem Speicher abgestellt. Maria Lory fand die Figur und hatte den Wunsch, die sogenannte „Bildnuß“ mit in die Wies zu nehmen und es wurde ihr gewährt. Also brachte am 4. Mai 1738 die Familie Lory die Figur eines gegeißelten Heilandes mit in die Wies. Am Abend des 14. Juni 1738 erblickte sie beim Gebet Tränen in den Augen der Figur.

Die Nachricht von diesem Wunder verbreitete sich in Windeseile in der ganzen Gegend. Noch im selben Jahr wurde unweit vom Lory-Hof eine kleine Kapelle zu Ehren des Gnadenbilds errichtet, sie steht noch heute. Schnell machten Geschichten von Spontanheilungen die Runde und die kleine Kapelle konnte dem Ansturm der Besucher bald nicht mehr standhalten. Auf Drängen der Gläubigen veranlasste der ansässige Abt, Hyazinth Gassner, schließlich den Bau einer eigenen großen Wallfahrtskirche.

Ende August 1746 wurde das Gnadenbild des gegeißelten Heilands in die Wallfahrtskirche überführt. Tausende Menschen sollen gekommen sein, um dabei zu sein. Bis heute reisen Pilger aus der ganzen Welt nach Steingaden, um das Unesco-Weltkulturerbe zu bewundern und unter der Heilandsfigur zu beten. Jährlich verzeichnet die Wieskirche etwa eine Million Besucher.

Altarraum Wieskirche

Das Gnadenbild des gegeißelten Heilands in der Wieskirche.
© wikimedia/Harro52

Diamantnachricht im Weltkulturerbe

„Hoc loco habitat fortuna, hic quiescit cor“ (An diesem Ort wohnt das Glück, hier findet das Herz Ruhe) – Dieses Zitat aus den Confessiones des Augustinus ritzte Abt Marianus II. Mayer (Abt in Steingaden von 1745 bis 1772) mit einem Diamantring in eine Fensterscheibe des Prälatensaales.

„Als ein Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft und ein außergewöhnliches Zeugnis“ beschrieb die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) die Wieskirche, als sie sie 1983 auf die Welterbeliste aufnahm. Wenige Jahre darauf wurden über zehn Millionen Deutsche Mark in die Renovierung der Kirche investiert. Besucht wird „die Wies“ besonders im Mai, wenn die Wiederkehr des Gnadenbildes gefeiert wird, und im Juni zum Erinnerungsfest an das Tränenwunder.

Anna Fábová

Pädagogische Fakultät

Comenius-Universität Bratislava/Pressburg

 

(Quellen: wieskirche.de, unesco.de)