Karpatendeutscher Adventskalender

Adventskalender: 23. Türchen

Zum 23. Dezember zeigen wir Weihnachtsbräuche aus Engerau/Petržalka. Die Schilderungen entstammen dem Heimatbuch „Engerau 1225-1946. Zur Erinnerung an einen vergangenen Ort“, das Karl Rudolf im Jahr 1988 im Eigenverlag herausgegeben hat.

Advent

In direktem Zusammenhang mit den Weihnachtsbräuchen steht das Brauchtum der Vorweihnachtszeit, des Advents. In diese Zeit fällt das Herbergssuchen von Maria und Josef. Dabei trugen die Engerauer Frauen und Mädchen ein Bild, welches Maria als werdende Mutter darstellt, von Hof zu Hof, das heißt jeden Tag auf einen anderen bis zur Weihnacht. Wie der Advent überhaupt eine Buß- und Fastenzeit war, die man strenge einhielt. Es gab in diesen Wochen keine ausgelassenen Unterhaltungen, keine Hochzeit und keine lärmenden Feste. Advent war Einkehrszeit und Einkehr wurde in der Frühmesse, der Rorate geübt, in welche von jeder Familie mindestens ein Mitglied zu gehen hatte. In der Kirche sang man schöne Adventlieder in getragener Weise, wie zum Beispiel das „Tauet Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab…„. Adventsingen, Adventblasen und Turmblasen gehörten gleichfalls zu den lieben Gepflogenheiten unserer Altvorderen.

Sankt Nikolaus

In die Adventszeit fällt auch der Tag des heiligen Nikolaus, auch Nikolo oder Nigloo genannt. Sein Fest fällt auf den 6. Dezember, er selber tritt aber bereits am Vortag in Aktion. Sankt Nikolaus zieht da als wundertätiger Bischof mit wallendem, weißen Bart und Krummstab durch die Straßen und hält Einkehr in den Häusern zur hellen Freude und auch ein wenig zur Furcht der Kinder. Er erfragt, ob sie das ganze Jahr über brav gewesen sind, prüft ihre Katechismuskenntnisse und lässt sie das Vaterunser aufsagen. Und wenn alles zur Zufriedenheit ausgefallen ist, greift er in seinen großen Sack und beschenkt sie mit Nüssen, Äpfeln, Orangen und allerlei süßem Backwerk. Aber auch diejenigen, die er nicht antrifft oder aufsucht, können auf seine Gaben hoffen. Wer seine gutgeputzten Schuhe ins Fenster stellt, der findet diese am nächsten Morgen gefüllt mit allerlei Naschwerk. Nicht selten stellt er als Mahnung auch eine Rute daneben. […]

Foto Nikolo Nikolaus Krampus
Wie auf diesem, aus Salzburg stammenden Bild, wurde auch der Engerauer Nikolo vom furchterregenden Krampus begleitet.

Weihnachtsbaum

Der Brauch, einen geschmückten, lichterbesteckten Baum in der Stube aufzustellen, ist noch nicht sehr alt. Kaum zweihundert Jahre ist es her, dass man begann, das Weihnachtsfest damit zu beginnen und zu verschönern, indem man mit feierlichem Eifer einen Nadelbaum, entweder eine Fichte oder eine Tanne jüngeren Alters, am Nachmittag des Heiligen Abends aufzustellen und mit verschiedenem Backwerk und Äpfeln zu schmücken. Später werden es verpackte Zuckerl, Schokoladefiguren, selbstgemachte oder gekaufte kleine Handarbeiten, Engelshaar, gläserne Kugeln und Lametta sein, die den Baum zieren. Brennende Kerzen, Spritzkerzen und Weihrauch verbreiten feierliche Stimmung; unter dem Baum ausgebreitet liegen die Geschenke, die nach einer schönen Andacht und Singen des schönsten aller Weihnachtslieder „Stille Nacht, Heilige Nacht…“, in Empfang genommen werden. Allseits herrscht große Freude und Dankbarkeit, und der Anlass dieses Festes wird auch gleichzeitig dazu genutzt, einander das Beste zu wünschen und Weihnachten als Fest des Friedens zu empfinden.

Weihnachtskrippe

Einen wichtigen Bestand der Weihnachtsfeier stellt auch die Weihnachtskrippe dar, eine bildliche Darstellung des Geschehens nach der Geburt Christi, die sich ebenfalls unter dem Lichterbaum befand. Die Krippenfiguren waren meist aus Holz geschnitzt oder aus Ton oder aus Wachs modelliert und bemalt. Der Brauch, Krippen im Hause aufzustellen, fand auch in den Kirchen eingang. Man kann heute mitunter wahre Meisterwerke bildnerischer Kunst bei der Darstellung des Weihnachtswunders in den Kirchen finden, und das Aufsuchen derselben an den folgenden Tagen gehörte fast schon zur Pflicht.

Foto Engerau Krippe
Kunstvoll geschnitzte Krippen wurden sowohl in der Kirche, als auch unter dem Christbaum aufgestellt.

Weihnachtsessen

Eine Schilderung der Weihnachstbräuche wäre wohl unvollständig, wollte man nicht auch das Essen erwähnen. Nach der Fastenzeit im Advent war die Freude an einem üppigen Weihnachtsfestmahl besonders groß. Das Festmahl, die Bereitung bestimmter Speisen, spielt ja zu allen Anlässen eine wichtige Rolle, und traditionell war auch die Speisefolge. Am Heiligen Abend gab es vorzugsweise Fisch in manniglicher Zubereitung, bevor man sich nach der Bescherung in die Kirche zur Mitternachtsmette begab. Am Christtag und am folgenden Stephanitag aß man die traditionellen Fleisch-, Geflügel- und Fischgerichte. Ein beliebter Weihnachtsbraten war die Gans, mancherorts war es der noch immer beliebte Schweinebraten. Das Weihnachtsgebäck wurde von den Hausfrauen mit besonderer Liebe und Sorgfalt bereits in vorweihnachtlicher Zeit hergestellt. In verschwenderischer Fülle wurden Kekse, Busserl, Kipferl und vor allem die berühmten Mohn- und Nussbeugel gemacht. Der Duft, der die Räume in dieser Zeit durchzog, war einfach berauschend.

Jeden Tag ein neues Türchen… Der digitale Adventskalender des Karpatenblattes präsentiert bis zum Heiligen Abend jeden Tag ein kleines Geschenk aus dem Brauchtumsschatz der Karpatendeutschen. Hier finden sie Familienrezepte, Lieder, Geschichten, Gedichte, Rätsel und Bastelanleitungen aus der Pressburger Region, dem Hauerland, der Zips und dem Bodwatal.