Schmidts Kater Loisl und das leidliche Leben

Kolumne: Schmidts Kater Loisl und das leidliche Leben

Čauky mňauky, allerseits! Alles gut? Sprich: haben Sie alle Geschenke besorgt und bis zum Heiligen Abend dem Christkind aufgehalst? Drücke Ihnen mal die Pfötchen.

Ich nutze den Dezember bekanntlich immer, um mich bei meinem Butler für mein leidlich schönes Leben bei ihm zu bedanken. Das Wort „leidlich“ hat seine Berechtigung. Es gibt ja nichts, was man nicht noch deutlich verbessern könnte. Beim Fressen beispielsweise. Wer hat schon jeden Tag Appetit auf Austern oder Spargelspitzen? Mir reicht auch mal das Fressen aus der Dose. Aber das auch nicht jeden Tag. Ich kann aber nach sieben Jahren unseres Zusammenlebens erwarten, dass mein Butler gelernt hat, was mein aktuelles Begehren ist. Doch wie gesagt, da ist bei meinem Herrn Schmidt immer noch Luft nach oben.

Er ist trotzdem der beste Butler, den ich bislang hatte, auch wenn er bislang auch der einzige Butler in meinem Katerleben ist. So gut kann ich das schon einschätzen.

Ich muss bei der Bewertung des zu Ende gehenden Jahres auch Nachsicht walten lassen. Das Jahr war zweigeteilt. In die Zeit vor und nach den Wahlen in Tschechien. Seit die vorüber sind, an denen mein Butler wegen seiner deutschen Staatsangehörigkeit nicht teilnehmen darf, ist er ein anderer Butler. Er wird gern mal ein bisschen aggressiv, wenn ich ihn reize. Das hat nichts mit mir zu tun, sondern mit den politischen Verhältnissen in unserem schönen Tschechien. Der Herr Schmidt findet die nicht so wahnsinnig lustig und ist deshalb schnell mal etwas neben der Spur. Er hat sich zwar in erster Linie um ein perfektes Wohlergehen zu sorgen. Aber nebenbei ist er ja auch dafür verantwortlich, mit Artikeln seinen Lesern in Deutschland und Österreich zu erklären, was in unserem Land so passiert. Ich verstehe also, dass er eine kürzere Zündschnur als vor den Wahlen hat.

Was mich an all dem ein bisschen ärgert, ist, dass mein Butler seit Jahr und Tag ganz genau weiß, wie ich zu unserem politischen System stehe. Äußerst ablehnend. Aber er ändert nichts daran. An dem System, meine ich. Ich habe an dieser Stelle wiederholt schon geschrieben, dass es bei uns Vierbeinern keine Demokratie gibt. Wir lehnen die ab, weil wir uns nicht über den Ausgang von Wahlen ärgern wollen. Wir Katzen sind Verfechter einer Diktatur, in der der beste Kater von uns das Sagen hat. Damit sind wir immer gut gefahren. Und wenn ich mir ansehe, was derzeit in unserem Land politisch alles so passiert und was mich oft an die Slowakei unter dem seltsamen Herrn Fico erinnert, sträubt sich mir auch ganz schnell das Katzenfell. Aber jetzt Schluss mit Politik! Kommen Sie gut ins neue Jahr! Čauky mňauky!

Schmidts Kater Loisl und sein Butler Hans-Jörg Schmidt

Loisl