Rolandsbrunnen in Bratislava/Pressburg

Der Rolandbrunnen in der Silvesternacht

Die Entstehung des Brunnens auf dem alten Marktplatz von Pressburg ist eng verknüpft mit der Krönung des ungarischen Königs Maximilian und seiner Gemahlin im Jahre 1563. Während der Feierlichkeiten brach in der Stadt ein Feuer aus und es gab nur wenig Wasser zum Löschen. Auf Maximilians Anweisung wurde hier eine Fontäne errichtet, die seinen Namen bis heute trägt. Das Wasser kam damals in Holzrinnen aus den Kleinen Karpaten in die Stadt. Einer Sage nach war der ruhmreiche Ritter Roland vor vielen Jahren, wahrscheinlich im achten Jahrhundert, persönlich in Pressburg und man entschied sich, den Brunnen mit seiner Gestalt zu schmücken. So kam er zu seinem zweiten Namen: Rolandbrunnen.
Rolandsbrunnen

Der Rolandsbrunnen in Pressburg/Bratislava

Ob der edle Ritter wirklich in Pressburg war, ist nicht sicher, aber er hält seine schützende Hand seit Jahrhunderten über die Stadt, außer die vier Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg, und das verzeihen wir ihm gerne. Um seine Gestalt, von Andreas Luttringer aus Deutsch Altenburg im Jahre 1572 in Stein gemeißelt, drehen sich viele Legenden und Geheimnisse. Seine Pose ist vertraut: In der linken Hand hält er ein Schwert und mit der Rechten stützt er sich auf das Schild mit dem ungarischen Wappen.
Eine drehende Brunnenfigur
Er ist zum Alten Rathaus gewandt, aber einmal im Jahr, am Silvestertag gegen Mitternacht, dreht er sich zu dem ältesten Rathaus – einem Gebäude, das heute nicht mehr da ist. Er erweist ihm und den damaligen Ratsherren mit einer Verbeugung die Ehre. Dem, der das sieht, bringt es Glück. Sehen kann das nur ein rechtschaffener Bürger, der nie einem Menschen Schaden zugefügt hat. In der Silvesternacht kommen ja viele Menschen vorbei und ein richtiger Rausch tut Wunder. Manche sehen den Ritter tanzen und sogar vom Sockel herabsteigen. Mehr als vier hundert Jahre steht die Roland-Figur über dem Brunnen. Sie verlor ihre Farbe, überstand drei Erneuerungen und einige Eingriffe. Heute ist sie durch eine Kopie ersetzt, aber die Liebe der Pressburger zu ihr ist unerschütterlich.

Marian Markus