Salvator-Apotheke in Bratislava/Pressburg

Die Pressburger Künstler Robert Kühmayer und Alois Rigele

Die Bildhauer Robert Kühmayer und Alois Rigele waren wichtige Mitglieder des Pressburger Kunstvereins. Sie stammten beide aus der Stadt selbst und ihre Skulpturen schmücken auch heute noch die Straßen, Parks und Friedhöfe von Bratislava/Pressburg. Robert Kühmayer wurde 1883 in Pressburg/Bratislava geboren. Als 16-Jähriger ging er in die Bildhauerwerkstatt von Josef Valentin Kassin (1856 – 1931) in Wien. Nach fünf Jahren kehrte er 1904 nach Bratislava zurück. Dank eines Stipendiums der Stadt studierte er in den Jahren 1907 bis 1910 an der Akademie der bildenden Künste in Budapest. Er besuchte das Atelier des ebenfalls in seiner Heimatstadt geborenen Bela Radnai (Rauscha). Um sich fortzubilden, entschied er sich, zwei Jahre in Paris zu verbringen. Dort besuchte er die Julianische Akademie und wurde Schüler von Professor Raoul Verlet.
Robert Kühmayer

Die Entenfontäne von Robert Kühmayer ziert auch heute noch die slowakische Hauptstadt.

Rückkehr in die Heimatstadt
Nach seinem Aufenthalt in Paris 1912 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo er bis 1945 lebte und arbeitet. Danach emigrierte er nach Wien. Von 1913 bis 1939 war er Mitglied des Pressburger Kunstvereins und nahm an Bundesausstellungen teil. Sein bekanntestes Werk in Bratislava ist der Brunnen am Šafárik-Platz. Die Enten-Fontäne wurde im Jahre 1914 gebaut. Robert Kühmayer schuf auch mehrere Grabsteine auf dem Andreas-Friedhof und entwarf Anfang der 1930er Jahre die berühmte Statue des Krückenbrechers der Kolonnadenbrücke in Piešťany.
Kühmayer

Der Krückenbrecher von Kühmayer ist zu einem Wahrzeichen von Piešťany geworden.

Auf der Suche nach dem perfekten Material
Interessant ist auch das Material, das Kühmayer verwendet hat. Er erfand 1930 nach vier Jahren des Experimentierens einen Kunststein. Dabei handelte es sich um eine Steinmasse, die genauso gut gegossen werden konnte wie Bronze. Aus diesem Kunststein stellte der Künstler Porträtbüsten sowie verschiedene Reliefs her. Seine Lebensreise endete im März 1972 im Alter von 89 Jahren in Wien. Ein Freund von Kühmayer und einer der bedeutendsten Bildhauer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Alois Rigele. Er wurde am 8. Februar 1879 in Pressburg/Bratislava geboren. Sein Talent zeigte sich bereits während seines Studiums in der Bildhauerwerkstatt von Adolf Messmer.
Studium in Wien und Italien
Rigele studierte in den Jahren 1901 bis 1908 an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er eine Reihe Auszeichnungen erhielt. Er gewann beispielsweise den Wettbewerb um den Grabstein von Peter Pazman im Martinsdom von Pressburg/Bratislava. Als Preis erhielt er einen Studienaufenthalt in Italien. Nach drei Jahren in Rom zog er wieder nach Pressburg zurück. Nach seiner Rückkehr nahm er an fast allen lokalen Ausstellungen teil und erhielt eine Reihe von verschiedenen Bestellungen. Er gestaltete beispielsweise Denkmäler, Grabsteine oder Gartenskulpturen.
Das „Mädchen mit Reh“ von Alois Rigel

Das „Mädchen mit Reh“ von Alois Rigele

Die Kunst von Alois Rigele war stark vom Klassizismus und Jugendstil beeinflusst. Rigeles beste Werke umfassen Kammer- und Figurenskulpturen. Er schuf eine Reihe von Porträt-Plaketten und Denkmälern. Auch heute kann man beispielsweise auf dem Hviezdoslav-Platz noch das „Mädchen mit Reh“ sehen. Neben seinen Steinarbeiten widmete er sich auch der Wandmalerei, die man beispielsweise im Chor der Jesuitenkirche in Pressburg sehen kann.
Letzte Ruhestätte in seiner Heimatstadt
Wie Kühmayer hatte Alois Rigele den Ruf, ein bescheidener und höflicher Mann zu sein. Seine Werke befinden sich nicht nur auf Friedhöfen und in Parks in der slowakischen Hauptstadt, sondern ebenso in dutzenden Städten und Dörfern in der ganzen Slowakei, aber auch in Ungarn und Österreich. Obwohl ihm Professuren an den Universitäten in Budapest und Prag angeboten wurden, blieb Alois Rigele bis zum Tod seiner Heimatstadt treu. Er starb im Jahr 1940 im Alter von 61 Jahren und ist auf dem Andreas-Friedhof (Ondrejský cintorín) begraben.

Anna Paulinyová