Ausschnitt aus dem Artikel

Gelesen: Mit dem Schatz bedeckten sie Blut

So lautet die Titelzeile eines Artikels in der tschechischen Boulevardzeitung Blesk vom 7. Februar 2018 (auf Tschechisch “Krev přikryli pokladem!“). Was bedeutet diese mysteriöse Wortverbindung aber?

Blesk-Artikel

Der Artikel in der tschechischen Boulevardzeitung Blesk

Das Wort „Blut“ ist verbunden mit den fürchterlichsten Geschehnissen nach dem Kriegsende, die die Karpatendeutschen auf den Schwedenschanzen unweit von Prerau/Přerov in der Nacht vom 18. auf den 19. Juni 1945 trafen: Die 267 aus der Evakuation zurückkehrende Zipser, die meisten aus Dobschau/Dobšiná und Hauerländer (aus Drexlerhau/Janova Lehota) wurden von den Angehörigen des Infanterieregiments Nr. 17 aus Engerau unter Befehlshaber Karol Pazúr erschossen. Darüber ist vor zwei Jahren das Buch „Die blutige Nacht des 18. und 19. Juni 1945 auf den Schwedenschanzen unweit der Stadt Přerov“ von Dr. František Hýbl . Auch auf den Seiten des Karpatenblattes haben wir über dieses tragische Ereignis schon mehrmals berichtet.

Schatz aus dem Fischteich

Bei dem „Schatz“ handelt es sich um mehrere Säcke mit Zehnrubelbanknoten, die kurz nach dem Krieg aus einem Fischteich umweit von Karlsbad geborgen wurden. Der Wert belief sich auf 10 Millionen Kronen. Dieser Schatz wurde dem damaligen Vorsitzenden des Geheimdienstes General Bedrich Reicin, einem engen Vertrauten von Klement Gottwald, zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld bezahlte Reicin z. B. ein Geschenk für Marschall Wasilijewski, einen Škoda für General Moskalenko, ein Bild zum 50. Geburtstag des Verteidigungsministers, aber auch die Kosten mit der Exhumierung der ermordeten Karpatendeutschen bei Prerau. Dabei handelte es sich um 69 870 Kronen.

Abrechnung Prerau

Detail der Rechnung, das die Auszahlung der Kosten für die Exhumierung zeigt.

Geplantes Verbrechen oder Affekt?

In dem Artikel stehen auch Zwischenüberschriften wie „Ereignis ohne Strafe“, „Morde mit Taschenlampe“, „Rubel für Vertuschung“, „Urteil: Verachtung“ oder „Aus dem Arrest in die Funktion“. Interessant ist die präsentierte Meinung einiger Historiker. Sie gaben an, dass es sich angeblich um ein geplantes Verbrechen handelte und nicht um eine spontane Explosion antideutscher Hysterie: „Pazúr konnte angeblich den Befehl zur Liquidierung der Karpatendeutschen noch in Mähren von Reicin oder Verteidigungsminister Ludvík Svoboda bekommen.“

Ondrej Pöss