Karl Frech und die Arbeitsgemeinschaft karpatendeutscher Künstler in Pressburg

Künstler schlossen sich auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert in Vereinen zusammen. Neben dem Pressburger Kunstverein gab es zum Beispiel den Verband der slowakischen Künstler in Martin. Ende der 1930er/Anfang der 1940er Jahre entstand die sogenannte Arbeitsgemeinschaft karpatendeutscher Künstler in Pressburg, die Künstler mit karpatendeutschen Wurzeln zusammenbrachte. Die Sammlung des Stadtmuseums von Bratislava/Pressburg zeigt einen graphischen Entwurf für die Gründung der Arbeitsgemeinschaft karpatendeutscher Künstler in Pressburg. Die Mitglieder dieses Vereins waren nicht nur Künstler, die in der Stadt lebten, sondern sie kamen auch aus anderen Teilen des Landes. Viele der Mitglieder waren zuvor im Pressburger Kunstverein tätig.
Gustav Lerchner

Gustav Lerchner, Ansicht auf Pressburg

Zu den Pressburgern gehörten zum Beispiel Ernst Bamberg, Robert Kühmayer, Karl Frech oder Grete Kittel. Dabei waren aber auch Walter Kittel, Ivan Kovats und Gustav Lerchner. Letzterer war ein in Pressburg geborener Künstler und malte vor allem die umliegende Landschaft sowie Ansichten des historischen Stadtzentrums. Ein Mitglied war auch Ludwig Mack, der Erschaffer der Paracelcustafel am Primatialpalais. Außerdem gehörten dem Verein Eberhard Olbrich, Rudolfine Pinkava, Ludwig Prochaska, Karl Rompf, und Gustav Schaffer an. Mit Bleistift wurde auf die Mitgliedsurkunde auch der österreichische Bildhauer Edmund Reitter eingetragen. Er wurde 1904 in Pressburg geboren und starb als Hundertjähriger 2005 in Niederösterreich.
Graphiker Hugo Frech
Der Maler, Grafiker und Illustrator Karl Hugo Frech wurde am 9. September 1883 in der deutschen Stadt Gaisburg (heute Teil von Stuttgart) geboren. Er studierte Lithographie im renommierten Verlag von J. F. Schreiber in Esslingen. Im Juli 1914 zog er nach Pressburg.
Karl Frech

Karl Frech, Ansicht auf die Pressburg

Nach einer zufälligen Begegnung mit Carl Angermayer, dem Eigentümer der Pressburger Zeitung, begann er regelmäßig Beiträge für lokale Zeitungen zu liefern. Er war Mitglied des Pressburger Kunstvereins und arbeitete als Maler und Grafiker. Außerdem war er an der Illustration verschiedener Graphiken, Urkunden, Artikel und Bücher sowie Exlibris beteiligt.
Karl Frech

Karl Frech, Straße unter der Pressburg

Auch heute ist er vor allem für Bilder des damaligen Pressburg bekannt. Er selbst drückte seine Beziehung zu der Stadt in diesem Zitat im Grenzboten aus: „Man muss wirklich als Fremder in diese alte Stadt kommen, um zu sehen, wie schön sie ist.“ Er hat auch verschiedene Bücher über die Stadt illustriert, von denen das von Karl Benyovszky das bekannteste ist.
Ansichten einer vergangenen Stadt
Frech zeigte nicht nur die berühmten Orte und Plätze der Stadt, sondern auch alte Straßen, Höfe, Ecken, Details von Lampen und Türen. Er hat die unvergessliche Atmosphäre des heute nicht mehr existierenden Pressburg eingefangen – eine romantische und friedliche Stadt zwischen den beiden Weltkriegen. Als Deutscher war auch Karl Frech nach dem Zweiten Weltkrieg von den Beneš-Dekreten betroffen. Er starb am 27. Juli 1945 auf der Flucht in einem Lager bei Steyr. Sein Grab befindet sich in der Stadt Sankt Ulrich.

Anna Paulinyová