Lehrer und Schriftsteller – Johann Unger (1771-1836)

Mit Johann Unger verbunden sind einige Merkwürdigkeiten der Geschichte. Heute ist Unger kaum bekannt, genauso wie sein Geburtsort Rissdorf (Ruskinovce). Aber spätestens, wenn wir Musik von Franz Schubert hören, sollten wir uns an ihn erinnern. Sie wissen nicht warum? Dann lesen Sie bitte weiter. Rissdorf (Ruskinovce), auch Riesdorf oder Rißdorf geschrieben, gehörte im 13. Jahrhundert zu den 24 Zipser Städten und später ab 1772 unter Maria Theresia zu den 16 Zipser Kronstädten. Eine Stadt mit geschichtlicher Bedeutung, in der 1910 noch 588 Deutsche lebten. Heute finden wir den Namen auf keiner Landkarte, denn für den Bau des Truppenübungsplatzes Javorina wurden 1952 Rissdorf und seine Nachbarorte zwangsgeräumt.
Vornamen- und Studienwechsel
In diesem Ort wurde am 13. April 1771 Johann als Sohn des Lehrers Michael Unger und dessen Frau Maria geboren. Hier beginnt die erste Merkwürdigkeit: Das Taufregister zeigt als zweiten Vornamen Nepomuk. Vermutlich gefiel ihm dieser nicht, denn bereits 1799 nennt er sich Johann Carl Unger. Vorher besuchte er die Gymnasien in Käsmark und Pudlein (Podolínec) bei den Piaristen. Anschließend begann er ein Philosophiestudium in Kaschau. Da erkrankte sein Vater und geriet zudem in finanzielle Schwierigkeiten. Johann musste jetzt selbst Geld verdienen. Die Piaristen in Pudlein halfen dem jungen Mann mit einer Lehrerstelle. Sie unterstützten ihn, damit er Theologie in Neutra und Wien studieren konnte. Johann wechselte jedoch nach einiger Zeit zum Jurastudium. In Adelskreisen Von 1796 bis 1799 unterrichtete Unger Reichsgeschichte am Theresium in Wien, damals Ausbildungsstätte für den adligen Nachwuchs. 1799 wurde er Erzieher des Sohnes von Freiherrn Ignaz Forgács. Im Winter ging es von Wien auf dessen Gut nach Tuleschitz in Mähren. Von 1810 bis zu seinem Tode 1836 verwaltete er die Besitzungen des Freiherrn Joseph Hackelberg-Landau. Mit der polnischen Baronesse Anna Cavarese Karvinska ging er die Ehe ein und lebte mit ihr in der Wiener Alservorstadt.
Tochter erfolgreiche Sängerin
Dort, in der Herrengasse 36, wurde am 28. Oktober 1803 auch ihr einziges Kind, Carolina Maria, geboren. Carolina gilt als bedeutendste Sängerin des Belcanto-Zeitalters. Besonders im „Mutterland der Oper“, in Italien, war ihre Popularität sehr groß. Ihr Stimmumfang reichte von a bis d3.  
Carolina Unger

Sängerin Carolina Unger (1808-1877)

Gedichte und Berichte
Johann Unger besaß offenbar ein besonderes Feingefühl, wie man aus seinen Gedichten, zu denen auch „Die Geselligkeit“ gehört, entnehmen kann. Diese erschienen 1797 als Gedichtband in Wien. Für die deutsche Kulturzeitung „Morgenblatt für gebildete Stände“ (Cotta’sche Verlagsbuchhandlung) war er Wiener Korrespondent und berichtete auch über die Aufführung von Beethovens 5. und 6. Sinfonie am 22.12.1808 im Theater an der Wien.   Unger ist Autor von Büchern zu historischen Themen (z.B. Geschichte der ältesten Stammvölker, 1810; Sitten und Gebräuche der Römer, 1805-1807), aber auch von Reisebeschreibungen (z.B. Wanderungen durch ungrische Gegenden, 1803) und für die Jugend. So gab er unter anderem mit Samuel Bredetzky 1805 den „Wiener Jugendfreund“ und die „Monatlichen Unterhaltungen für die Jugend“ heraus. Gedicht von Unger
Empfehlung für Schubert
Dass seine Tochter eine Karriere als Sängerin machte, lag sicher auch am musikalischen Elternhaus. Johann Unger sang nicht nur gerne, er verfolgte die Musikszene und schrieb eine Biographie der französischen Sopranistin Joséphine Fodor-Mainville. Seine persönlichen Kontakte zu Johann Carl Esterházy (1775-1834) nutzt er, um Franz Schubert (1797-1828) als Musiklehrer für dessen Töchter Marie-Therese und Caroline zu empfehlen.
Des Rätsels Lösung
Der Zusammenhang zwischen Unger und Schubert besteht nicht nur im Vermitteln der Arbeit bei Eszterházy. Schubert vertonte auch Gedichte von Unger. Dazu zählt „Die Geselligkeit“ Am bekanntesten ist wohl „Die Nachtigall“, durch deren Melodie Johann Ungers Name zumindest bei den Musikliebhabern nicht in Vergessenheit geraten wird.

Dr. Heinz Schleusener