Neue Digitalisierungsstelle der Karpatendeutschen

Sicher haben auch Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie die Digitalisierung unser Leben verändert. Früher, wenn einem Leute auf der Straße entgegenkamen und lauthals vor sich hin redeten, wusste man: Die sind gestört. Man versuchte schnell weiterzukommen. Heute geht es in der Regel um Menschen, die telefonieren. Früher wurde man vor Meinungen durch eine Kneipentür geschützt, heute ist man den Kommentaren durch verschiedenste Blogs heillos ausgesetzt. Viele jüngere Leute können beim Autofahren oder Wandern schon keine Karten oder Stadtpläne mehr lesen. Die, die schon mit dem Handy aufgewachsen sind, benützen beim Drücken (zum Beispiel eines Klingelknopfes) den Daumen, weil der viel muskulöser und beweglicher als der Zeigefinger geworden ist. Manche sind der Meinung, das die sogenannten Digital Natives sich für nichts mehr wirklich interessieren, oder dass ihre sozialen Kontakte nur so lange halten wie der Handyakku. Doch auch die Beziehungen zu realen Menschen verlagern sich immer mehr ins Virtuelle: Es ist völlig normal, mit Menschen befreundet zu sein, die man noch nie in der physischen Welt gesehen hat. Fachleute meinen, dass eine digitale Freundschaft genauso wertvoll sein kann wie eine Freundschaft im realen Leben. Seit der 2000er Jahre erleben wir einen weltumspannenden Umbruch, der die meisten Bereiche des Lebens immer stärker beeinflusst. Wer diesen Trend nicht aufgreift, wird in der Zukunft verlieren. Das gilt auch für die Kultur, Bibliotheken, Museen oder auch Minderheitenverbände. Wir wollen und müssen diesem Trend folgen, die Entwicklung darf man aber nicht dem Zufall überlassen. Die Nutzung der digitalen Technik lässt sich auch bei uns nicht aufhalten. Bei unserer jungen Generation ist das bereits ganz selbstverständlich, aber ich bekomme häufig auch von unseren Mitgliedern E-Mails, die weit über 80, sogar über 90 sind. Für die Gegenwart und auch die Zukunft der Karpatendeutschen ist es besonders wichtig, das Kulturerbe zu erhalten. Dafür ist eine Stelle notwendig, wo die wichtigsten Angaben und Informationen zusammenkommen. Deswegen haben wir eine Dokumentations- und Digitalisierungsstelle der Karpatendeutschen beim Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Preßburg eingerichtet. An diesem Ort werden in digitaler Form alle Zeitschriften, alte Zeitungen, Bücher, Fotografien, Dokumente und digitalisierte Gegenstände über die Karpatendeutschen zu finden sein. Das ist ein Vorhaben, zu dem auch Sie beitragen können.

Ondrej Pöss