Acht prägende Wochen an der Grundschule in Kesmark
Lena Scholz war acht Wochen lang als Praktikantin des Goethe-Instituts an der Grundschule der deutschen Minderheit in Kesmark/Kežmarok tätig. Im Gespräch mit dem Karpatenblatt liefert sie wertvolle Einblicke in den Schulalltag.
Bitte stell dich unseren Leserinnen und Lesern kurz vor.
Ich heiße Lena und habe Biologie und Englisch studiert, um später in Deutschland an Gymnasien zu unterrichten. Nach dem Abschluss meines Studiums hatte ich noch ein paar Monate Zeit, bevor mein Referendariat beginnen sollte. Diese Zeit wollte ich nutzen, um weitere praktische Erfahrungen im Schulalltag zu sammeln und habe mich deshalb nach Praktika umgesehen. Über das Goethe-Institut bin ich schließlich auf die Schule in Kesmark/Kežmarok gestoßen. Ich hatte sofort das Gefühl, dass dies die perfekte Möglichkeit ist, ein neues Land, eine neue Kultur sowie ein anderes Schulsystem und neue Unterrichtsmethoden kennenzulernen. Und um es vorwegzunehmen: Meine Erwartungen wurden voll erfüllt.
Wie hat dir das Kollegium und die Zusammenarbeit mit den anderen Lehrkräften den Einstieg in den Schulalltag erleichtert?
Kežmarok und die Schule waren zunächst etwas völlig Neues für mich, da ich zuvor nur an größeren Schulen war und in größeren Städten gelebt habe. Dank eines sehr netten Kollegiums und freundlicher Schülerinnen und Schüler wurde ich jedoch herzlich aufgenommen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Lehrkräften war sehr angenehm und ich hatte viel Freiheit bei der Gestaltung meines Unterrichts.
Zu meinen Aufgaben gehörte vor allem der Unterricht der deutschen Sprache mit dem Schwerpunkt auf Aussprache und freiem Sprechen, während Grammatik eher eine untergeordnete Rolle spielte. Außerdem konnte ich verschiedene Aspekte der deutschen Kultur und Lebensweise in den Unterricht einbringen. Ich unterrichtete hauptsächlich die Klassenstufen fünf bis neun.
Welche Bedeutung hat die deutsche Sprache an der Grundschule und wie zeigt sich diese im Schulalltag?
Die deutsche Sprache spielt an der Grundschule eine vergleichsweise große Rolle. In den meisten Klassen wurde Deutsch drei- bis viermal pro Woche unterrichtet und hatte einen ähnlichen Stellenwert wie Englisch. Ich selbst durfte mehrere Projekte zur deutschen Kultur und zu Traditionen durchführen, unter anderem zu den Themen „Typisch deutsches Essen“ und „Weihnachten in Deutschland“. Die Schülerinnen und Schüler waren sehr motiviert und interessiert, mehr darüber zu erfahren. Besonders spannend war der Austausch und der Vergleich zwischen beiden Kulturen. Dabei stellten wir fest, dass es viele kulturelle Gemeinsamkeiten gibt – wie zum Beispiel den Kartoffelsalat an Weihnachten.
Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede hast du zwischen dem Schulalltag in der Slowakei und dem in Deutschland festgestellt?
Der Schulalltag in der Slowakei und in Deutschland ist insgesamt recht ähnlich. Ein großer Unterschied besteht darin, dass das gemeinsame Mittagessen in der Schule für fast alle Schülerinnen und Schüler ein fester Bestandteil des Tages ist, was in Deutschland eher unüblich ist. Dort essen Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler meist zu Hause. Dies ist ein Aspekt, von dem sich deutsche Schulen durchaus etwas abschauen könnten, da das gemeinsame Essen das Gemeinschaftsgefühl stärkt.
Außerdem fiel mir auf, dass es an der Grundschule viele Projekte und Ausflüge gab, zum Beispiel Schlittschuhlaufen, Theaterbesuche oder Sporttage. In dieser Form habe ich das an deutschen Schulen bisher seltener erlebt.


Welche Erinnerungen und Erfahrungen sind dir aus deiner Zeit in der Slowakei besonders in Erinnerung geblieben?
Wenn ich an meine Zeit in der Slowakei zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an die vielen schönen Momente im Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern. Ich hatte jeden Tag Freude daran, in den verschiedenen Klassen zu unterrichten. Besonders schön war es zu sehen, wie sich viele Schülerinnen und Schüler während meiner Zeit weiterentwickelt haben, offener wurden und immer mehr mit mir gesprochen haben.
Sehr gerne denke ich auch an die letzten zwei Wochen vor Weihnachten zurück, in denen wir viel über Weihnachten in Deutschland und in der Slowakei gesprochen haben. Dank des Goethe-Instituts konnten wir mit zwei fünften Klassen Lebkuchenhäuser bauen, was für alle ein besonderes Erlebnis war. Als es schließlich Zeit war, Abschied zu nehmen, waren wir alle überrascht und auch ein wenig traurig darüber, wie schnell die acht Wochen vergangen sind.
Persönlich haben mir diese acht Wochen sehr bei meiner eigenen Entwicklung geholfen. Durch die viele Praxis bin ich im Unterricht deutlich sicherer geworden. Aber auch abseits der Schule war die Zeit allein im Ausland sehr wertvoll für mich. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen.
Würdest du ein solches Praktikum weiterempfehlen?
Ein Praktikum an der Grundschule in Kežmarok kann ich nur weiterempfehlen und zukünftigen Assistentinnen und Assistenten ans Herz legen. Auch wenn die Stadt – besonders von Norddeutschland aus – zunächst weit entfernt wirkt, lohnt sich die Reise auf jeden Fall. Man wird sehr herzlich aufgenommen und ein weiteres großes Plus ist die wunderschöne Hohe Tatra: Der Blick auf die Berge war für mich jeden Tag ein Highlight!
Das Gespräch führte Patrik Lompart.
