Samuel Bredetzky

Von der Zips nach Galizien – Samuel Bredetzky (1772 – 1812)

Hatten Sie in der Schule oder beim Studium Lehrer, die Berühmtheiten waren oder später wurden? Nicht nur das, auch sein Name hat einen festen Platz in den Geschichtsbüchern. Zu Samuel Bredetzkys Studienzeit in Jena (1796-1798) lehrten berühmte Professoren wie Griesbach, Hufeland, Fichte, Lenz, Paulus, Schütz und Voigt. Mit großem Interesse nahm Samuel an deren Lehrveranstaltungen teil. Das neu erworbene Wissen wollte er später einmal als Lehrer weitergeben. Sein besonderes Interesse für Geologie war wohl dem Jenaer Professor für Mineralogie, Johann Georg Lenz, aufgefallen. Als Lenz 1797 die Mineralogische Sozietät gründete, übernahm Bredetzky die Geschäfte eines “Sekretärs der ungarischen Nation” und wurde danach auch Mitglied der Gesellschaft. Im 21 km entfernten Weimar lernte er Johann Wolfgang von Goethe kennen und bekam dessen Epos “Herrman und Dorothea” als persönliches Geschenk. So ist es verständlich, dass die Jahre in Jena starken Einfluss auf Bredetzkys weiteres Leben ausübten.
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Lange Schulzeit
Geboren wurde Samuel am 18. März 1772 in Jakobsau/Jakubany. Seine Eltern, Matthias Bredetzky und Susanna Fabry, zogen mit ihm 1777 nach Leibitz/Ľubica um, weil der Vater dort eine Lehrer- und Kantorenstelle bekam. Die späteren Jahre der Oberstufenausbildung führen ihn an drei verschiedene Schulen. Seine erste Station ist 1785 das Käsmarker Gymnasium. Es folgen das evangelische Lyzeum in Ödenburg/Sopron, 1788 für ein Jahr erneut Käsmark, danach das evangelische Gymnasium in Schittnich/Štítnik, um die slowakische Sprache zu lernen. Hier schrieb Samuel seine ersten Gedichte. Die schulische Ausbildung beendete Samuel im April 1798 am evangelischen Gymnasium in Ödenburg, inzwischen 24 Jahre alt. Danach begann das Studium in Jena.
Erst Ödenburg, dann Wien
Nach seiner Rückkehr “ins Vaterland” stellte ihn die neu errichtete Bürgerschule in Ödenburg als Lehrer ein. Bereits nach zwei Jahren wurde er Direktor des mit der Bürgerschule verknüpften Arbeits Instituts. Im September 1802 berief man ihn als Vikar und Prediger an die Wiener Gemeinde A.C. (Augsburger Confession). Zu dieser Zeit schrieb er bereits Aufsätze für Zeitschriften. Als Buch erschienen das “Topographische Taschenbuch für Ungarn auf 1802”, seine “Abschiedsrede, gehalten am 16. Sept. 1802”, als er Ödenburg verließ und die Stelle in Wien antrat, sowie das “Elementar-Büchlein zum Gebrauch beym öffentlichen Unterricht” (1801).
Podgorze/Krakau und Lemberg/Ľvov
1805 wurde Bredetzky in eine Stelle als Prediger in Podgorze, heute Teil von Krakau, berufen. Für die Reise von Wien nach Krakau benötigte Bredetzky 14 Tage. Heute dauert der Direktflug genau eine Stunde. Kaum hatte Bredetzky sich mit der Gemeinde in Podgorze bekannt gemacht und Anerkennung gefunden, wurde er 1806 nach Lemberg versetzt. Es war der Wunsch des verstorbenen Superintendenten von Galizien und der Bukowina, Joseph Paulini, dass Bredetzky sein Nachfolger wird. Diese Stelle übernahm er im Januar 1807. Eine große Visitationsreise zu seinen Gemeinden schwächte seine Gesundheit. Viel zu früh, nach 14-tägigem Krankenlager, verstarb Samuel Bredetzky im Juni 1812 in Lemberg. Er hinterließ seine Frau Eva Dorothea Paur und drei Kinder, das älteste 4 Jahre alt. Sein Freund Johann Glatz schreibt über die Beerdigung “In Lemberg gab es nur wenige Leichenbegängnisse wie das seinige”.
Samuel Bredetzky

Samuel Bredetzky (1772-1812)

Umfangreiche Publikationen
Bredetzky berichtete über seine Reisen, so z.B. die “Reise in die Karpathen”, “Beschreibung der äußerst merkwürdigen Höhle Baradle” (Tropfsteinhöhle im heutigen ungarischen Nationalpark um Aggtelek, direkt an der Grenze zur Slowakei), “Reisebemerkungen über Ungarn und Galizien”, “Umriß der biblischen Geschichte des alten und neuen Testaments” (alle erschienen in Wien 1809). Bredetzky schrieb auch für das literarisch kritische Wiener-Blatt (1803 und 1804). Mit einem Preis geehrt wurde seine Arbeit zur Beantwortung der Frage des Gouverneurs von Galizien, des Grafen von Goes, “welche Industriezweige oder Erzeugnisse des Bodens wären für Galizien nach der physischen oder agronomischen Beschaffenheit des Landes am meisten zur Vervollkommnung und Vermehrung geeignet”.
Dank der Genealogen
Die Ahnenforscher danken Bredetzky für sein genaues Erfassen der Mitglieder der evangelischen Gemeinden in Galizien, denn die “Bredetzky-Listen” genannten Statistiken sind wertvolle Hilfen beim Erstellen von Stammbäumen.
Dokumentator der Zipser Mundart
In “Beyträge zur Topographie des Königreich Ungern” (1803) geht er ausführlich auf die Zips ein, hier finden wir auch seine “Sammlung Zipser Idiotismen”. Auf 17 Seiten beschreibt er 172 mundartliche Ausdrücke.
Sammlung einiger Zipser Idiotismen

Sammlung einiger Zipser Idiotismen

Damit gehört Samuel Bredetzky ebenso wie Johann Genersich und Karl Rumi (vgl. KB 8/2016) zu den Gelehrten seiner Zeit, die erste Schritte zum Dokumentieren ihrer Zipser Mundart unternahmen. Heute, mehr als 200 Jahre später, ist diese sprachwissenschaftlich wichtige Aufgabe noch immer nicht abgeschlossen.

Dr. Heinz Schleusener