Botschafter Joachim Bleicker

Botschafter Bleicker: „Die Karpatendeutschen sind ein wichtiges Bindeglied“

Seit August gibt es in der Slowakei einen neuen deutschen Botschafter. Wir trafen ihn in seinem Büro in Pressburg zu einem Gespräch über seine Pläne, die deutsch-slowakischen Beziehungen und natürlich die deutsche Minderheit. KB: Welche Prioritäten verfolgen Sie denn in Ihrer Zeit als Botschafter? JB: Die erste Priorität ist die, die jeder Botschafter haben sollte: Wir wollen die guten Beziehungen weiter vertiefen. Wir wollen uns anstrengen, uns besser gegenseitig zu verstehen und die Wirtschaftsbeziehungen sowie die Kulturbeziehungen stärken. Auch die Begegnung der Menschen ist wichtig, die Zivilgesellschaft muss sich begegnen können. Da stelle ich mir vor, dass man sehr viele Veranstaltungen machen kann, auch zusammen mit dem Goethe-Institut. Als Botschafter bin ich natürlich in erster Linie für die Regierung zuständig, aber es geht darüber hinaus und wir wollen möglichst viele Menschen in die Pflege der Beziehungen mit einbeziehen. KB: Die Beziehungen zwischen der Slowakei und Deutschland gelten ja gemeinhin als sehr gut. In welchen Bereichen würden Sie sie besonders hervorheben? JB: Statistisch sieht man es sofort bei den Wirtschaftsbeziehungen. Wir sind seit Jahrzehnten der Wirtschaftspartner Nummer eins der Slowakei. Auch für Deutschland hat die Slowakei inzwischen eine große Bedeutung, weil viele Dinge, die hier produziert werden, auch exportiert werden. Das ist natürlich etwas, das wir weiter fördern wollen. Aber genauso wichtig sind auch die Kulturbeziehungen, Deutsch als Fremdsprache ist ein ganz bedeutendes Thema. Dann kommt da auch noch die duale Ausbildung. Sie hat ja in Deutschland eine lange Tradition und da hat die Slowakei auch Schritte unternommen, um die beiden Länder zusammenzuführen. Das sind alles sehr gute Entwicklungen, die meine Arbeit dann sehr unterstützen. KB: Welche Rolle spielt denn dabei die deutsche Minderheit? JB: Die deutsche Minderheit spielt eine wichtige Rolle. Zahlenmäßig sind es ja nur noch ein paar Tausend Menschen. Das lässt sich nicht mehr damit vergleichen, wie viele deutsche Menschen hier bis zum Krieg gelebt haben. Aber diese Menschen sind sehr aktiv, sie pflegen ihre Kultur sehr, ihr Brauchtum, ihre Traditionen und sie sind ein wichtiges Bindeglied in den Beziehungen zu Deutschland. Es kommen ja auch viele, die hier gelebt haben, immer wieder zurück, besuchen die Angehörigen der deutschen Minderheit und verstärken so auch die Kontakte zwischen unseren Ländern. [tribulant_slideshow gallery_id=“2″] KB: Wie wollen Sie diesen Austausch persönlich unterstützen? JB: Auch durch persönliche Anwesenheit. Ich möchte sehr gerne die Orte besuchen, die mir bislang noch unbekannt sind. Dann vernetzen sich die einzelnen Minderheiten in Europa ja auch, davon habe ich auch zum ersten Mal von den Karpatendeutschen gehört. Als ich in Polen war und für die deutsche Minderheit dort zuständig war, haben mir die Menschen berichtet, welche Kontakte sie zu den Menschen hier und in der Tschechischen Republik haben. Das ist eine Vernetzung, die sehr gut funktioniert.  
Zur Person
Joachim Bleicker stammt aus Wuppertal. In Göttingen und Lausanne studierte er Rechtswissenschaften. Seit 1987 ist er im deutschen Auswärtigen Dienst. Anfang der 1990er Jahre war er Minderheitenreferent an der deutschen Botschaft in Warschau, von 2003 bis 2005 Ständiger Vertreter an der deutschen Botschaft in Belgrad sowie Generalkonsul in Danzig. Vor seinem Umzug nach Pressburg war Bleicker Beauftragter im Auswärtigen Amt für die Beziehungen zu den EU-Mitgliedsstaaten sowie grenzüberschreitende und regionale Zusammenarbeit.