Ehrung des Lebenswerks von Walter Bistika

Es hat viel Zeit gebraucht, aber endlich war sie da – die Ausstellung mit Fotos von Walter Bistika. Tatsächlich ist es die erste öffentliche Präsentation, die versucht, das umfangreiche fotografische Werk des gebürtigen Metzenseifners zu würdigen. Für diese Ausstellung waren der Tag der Stadt (Deň obce) Ober-Metzenseifen am 9. Juni 2018 ein würdiger Rahmen. Für die Organistion ist besonderer Dank an die stets aktive Ortsgruppe des Karpatendeutschen Vereins, insbesondere Frau Renata Balogh, die bei der Gestaltung von Herrn Josef Wagner unterstützt wurde, sowie Bürgermeister Ing. Róbert Nálepka zu richten.
Ausstellungseröffnung Ober-Metzenseifen

Ausstellungseröffnung durch Bürgermeister Ing. Róbert Nálepka und Zoltán Tomasch von der Ortsgruppe des Karpatendeutschen Vereins (links W. Bistika)

Der Fotograf
Über Walter Bistika muss an dieser Stelle nicht viel geschrieben werden – er ist den Lesern des Karpatenblatts bekannt. Bereits zu dessen erster Ausgabe im Juli 1992 hat er ein Foto beigesteuert. Walter Bistika hat sich aber nicht nur im Karpatenblatt und in vielen anderen Publikationen als Fotograf einen Namen gemacht. Es gibt wohl kaum eine Zeitschrift in der damaligen Tschechoslowakei, in der kein Foto von ihm zu finden ist. Er fotografierte vor allem Blumen, Pflanzen, Wasserfälle, Landschaften und historische Objekte wie Denkmäler und Burgen. Seine Verdienste als Chronist und Künstler wurden vielfach gewürdigt, z.B. im Karpatenblatt.
Schwerer Anfang
Als junger Bursche mit 12 Jahren bekam Walter Bistika seinen ersten Fotoapparat. Das Gerät und dessen Möglichkeiten faszinierten ihn so, dass es ihn bis heute, 77 Jahre später, nicht mehr loslässt.Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt, als die größten Probleme überwunden waren, machte er sein Hobby zum zweiten Beruf.
flexaret

Eine flexaret-Kamera

Seine Vorliebe galt den zweiäugigen Kameras. Dieser Kameratyp hat zwei Objektive, die gemeinsam verstellbar sind. Das untere projiziert direkt auf den Film, das obere erzeugt über einen festen Spiegel das Sucherbild. Die Firma Optiko­techna in Prag (nach 1946 Meopta) stellte seit 1936 derartige Kameras unter dem Namen Kamarád her. Walter Bistika nutzte das bis 1970 mehrfach weiterentwickelte Modell Flexaret.
Filme selbst entwickelt
Seine Schwarz-Weiß-Fotos entwickelte und vergrößerte Walter Bistika selbst. Sein eigenes Labor hatte alles, was man dazu braucht, von der Entwicklungsdose für den Film über Messbecher, Thermometer, Zeitschaltuhr, Rotlicht, Schalen für das Entwickler-, Stopp- und Fixierbad, bis zum Vergrößerungsapparat. Vergrößerungen machte er bis zu DIN A3 selbst. Obwohl er ein Meister der heute nur noch selten zu findenden Schwarz-Weiß-Fotografie war, wandte er sich zunehmend dem Diapositivfilm zu. Farbbilder, insbesondere für Naturobjekte, wurden mit der Entwicklung der Farbdrucktechnik zum Standard. Wir finden hunderte seiner Naturfotos nicht nur in Zeitschriften wie Záhradkár, Včelár, Rodina a škola, Požiarnik, Hét, Turista na cestu oder Slovenka sondern auch in vielen Monats- und Jahreskalendern der letzten 50 Jahre.
Guter Schnappschuss ist harte Arbeit
Ein gutes Foto entsteht nicht von allein. Meist gehört viel Arbeit dazu. Für sein im Mai 1986 vom Gipfel des Ryzy aufgenommenes Foto fuhr Walter Bistika mit seiner Frau um 2 Uhr 30 morgens von Metzenseifen mit dem Auto zum Tschirmer See/Štrbské Pleso. Um 4 Uhr dort angekommen, begann die Wanderung über den Poprader See/Popradské Pleso und das Mengsdorfertal/Mengusovská dolina.
Ausstellungseröffnung Walter Bistika

Der bevölkerte Gipfel des Rysy 1986

Dort befand sich eine Kontrollstelle, denn an diesem Tag wurden die ersten 2.000 jugendlichen Wanderer mit Diplomen für den Aufstieg belohnt. Walter Bistika erhielt auch ein Diplom – als Fotograf. Mit dem Foto des bevölkerten Rysy-Gipfels in 2.500 Metern Höhe hatte er es sich auch mehr als verdient.
Gewusst wie
Auch bei diesem Foto nutzte Walter Bistika sein Prinzip, zur gefundenen Einstellung von Blende und Belichtungszeit noch zwei weitere Fotos zu machen – mit leicht veränderter Blende. Eine der drei Aufnahmen war stets optimal. Walter Bistika hat das, was oft missachtet wird, wie etwa das Gefühl für den richtigen Standort des Fotografen, den besten Lichteinfall, den Aufnahmewinkel und den Hintergrund, der vom Kern des Fotos nicht ablenken darf. Inzwischen hat Walter Bistika seine  Kamera in den Ruhestand verabschiedet. Er selbst ist weiter aktiv, nicht als Fotograf, sondern in seiner KDV-Ortsgruppe und vor allem in deren Chor.
Im November nochmals zu sehen
Die Bilder der Fotoausstellung werden nochmals gezeigt – zu den Kommunalwahlen im November. Eine gute Idee! Heute aber sagen wir ein herzliches Dankeschön für die vielen großartigen Fotos, an denen auch spätere Generationen noch ihre Freude haben werden.

 Dr. Heinz Schleusener