Kochen mit dem Karpatenblatt: Variation der Ramen-Suppe
In Bayern sind im August die Sommerferien. Für gewöhnlich fuhren meine Eltern dann mit mir in die Zips zu den Großeltern. Über ehemals besondere „Reiseumwege“ hat mich die Tschechoslowakei damals tatsächlich mehr als einmal kulinarisch in das Land der aufgehenden Sonne – wie Japan auch genannt wird – geführt.
Aufgrund der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft meiner Mutter (die sie, wie später die slowakische, beibehielt) musste sie für den Tag der Hin- und Rückreise durch Österreich ein Visum vom Österreichischen Konsulat in München beantragen. Ganz in der Nähe befand sich das „Mifune“, Anfang/Mitte der 1970er wohl das erste japanische Restaurant Deutschlands. Meine Mutter ging dann immer mit mir dort essen.
Mit dieser Erinnerung fiel mir ein, wie ich mit meiner Mutter den japanischen Film „Tampopo“ (deutsch Pusteblume), auch bekannt als „Tampopo – Ein Ramen-Western“ oder „Tampopo – Magische Nudeln“, ansah. Ein Film nicht nur über ein Ramen-Restaurant, sondern vielmehr über das Essen selbst, dessen Wertschätzung und den Genuss – sowie über die Erotik, die im Essen steckt. Eine wahre Liebeserklärung an das Essen mit einer ordentlichen Prise Humor, die uns beiden sehr gefallen hat.
Auch beruflich machte ich Erfahrungen mit der japanischen Küche, beispielsweise in Saudi-Arabien bei der Eröffnung eines japanischen Restaurants. Darum zeigt Ihnen die Hechteria gern das Rezept ihrer Variation einer Ramen-Suppe.
Wer jetzt denkt, japanische Zutaten seien schwer zu bekommen oder japanisch kochen sei bestimmt sehr aufwendig, der irrt. Selbst in Japan gibt es unzählige Varianten, die auch ohne den tatsächlich etwas aufwendigeren Dashi – einem japanischen Fischsud aus der Thunfischart Bonito und braunem Seetang, dem Kombu – zubereitet werden. Anstelle dessen verwendet die Hechteria Austernsauce; die gibt es wie die anderen Zutaten auch in jedem gut sortierten Supermarkt oder Asia-Laden.

Zutaten für 4 Personen
- 1,6 l hausgemachte oder gekaufte Hühnerbrühe
- 4 EL Austernsauce oder Sojasauce
- 300 g Shiitake-Pilze oder braune Champignons
- 8-12 dünne Scheiben Schweinebauch oder Wammerl, Reste vom Schweinebraten in feine Scheiben geschnitten eignen sich auch gut oder Fleisch nach Wahl
- etwas Öl zum Anbraten
- 2-4 Frühlingszwiebeln, je nach Größe oder Gusto
- 360 g Ramen-Nudeln
- 4 wachsweich gekochte Eier
- 4 EL Sesamöl
- etwas „Shichimi Togarashi“ (japanische Chili-Gewürzmischung mit Sesam) oder Chiliflocken und etwas schwarzer Sesam
Zubereitung
- Die Austernsauce in die heiße Hühnerbrühe geben und umrühren.

- Shiitake-Pilze in Scheiben schneiden, einige ganz lassen, ein Kreuz oder einen Stern einschneiden und mit etwas Öl anbraten.

- Pilze auf einen Teller geben und in derselben Pfanne das Fleisch anbraten.
- Frühlingszwiebeln schneiden.
- Eier 6 ½ Minuten kochen, abschrecken, schälen und mittig durchschneiden.
- Ramen nach Packungsangabe kochen.
- Ramen in Schüsseln geben, mit der Brühe füllen und mit Sesamöl beträufeln.
- Mit Fleisch, Pilzen und Eiern belegen.

- „Shichimi Togarashi“ darüberstreuen und langsam genießen.
Jetzt soll aber einer mal sagen, dass diese „Hechteria-Weisheit“ im Stile der japanischen dreizeiligen Gedichtform Haiku übertrieben sei: „Eine Küche ohne Hecht – ist nur ein Platz – für den Ofen.“
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Kochen und „いただきます – itadakimasu“/„Guten Appetit“. Ein japanisches Bier (oder nach Wahl) passt ebenso perfekt dazu wie ein japanischer Gerstentee, der kalt oder bei Zimmertemperatur getrunken wird. Als Dessert empfiehlt sich die in Japan sehr beliebte „Nashi“ – japanisch für Birne. Zur filmischen Untermalung möchte ich Ihnen die Szene „Wie man richtig Nudelsuppe isst“ aus dem Film „Tampopo“ nahelegen. Zur musikalischen Begleitung empfehle ich das Lied „Ue o Muite Arukō“ (Sukiyaki) – im Original sowie die deutsche Version von Yvonne Carre. Auch das Lied „Čardáš dvoch sŕdc“ (Csárdás zweier Herzen), mit dem der als „slowakischer Tom Jones“ bekannte Sänger Karol Duchoň – dessen Leben kürzlich verfilmt wurde – 1975 in Tokio beim „Yamaha“-Musikfestival auftrat und dort beim Publikum großen Anklang fand, passt hervorragend dazu.
