Zipser Trilogie

Ins Bewusstsein rufen, was in den Herzen der Zipser schlummert

Als alter Zipser versuche ich, im versöhnenden Geist der Charta der Heimatvertriebenen für ein friedliches Europa diesen Beitrag zu schreiben. Es geht mir nicht um großspurige Begriffe über Menschen, sondern um ein Miteinandersein in dienender Haltung. Diese Haltung gründet im selbstkritischen Denken. Das lehrt mich meine Lebensgeschichte.

Johann Schürger, geboren 1914 am Schürgerhof in Ober-Metzenseifen/Vyšný Medzev (gestorben 2007), bat mich bei der Erinnerungsveranstaltung „50 Jahre Karpatendeutsche Landsmannschaft, Landesverband Bayern“ (9. Oktober 1999) im Sudetendeutschen Haus in München um Mitarbeit.

Publikation Zipser erzählen

Bald schrieben wir die Vorstände der Zipser Heimatvereine und Landsleute der Zips an und baten um Erzählungen, Sagen, Geschichten und Gedichte aus der Heimat, um dieses Volksgut der drohenden Vergessenheit zu entreißen. Nichts soll verloren gehen. Das sind wir der Geschichte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schuldig. Das Echo war überwältigend. Für den Band „ZIPSER ERZÄHLEN I“ sichteten wir die Beiträge und trafen nach dem Erlebniskriterium – es ist wert, zu erinnern – eine Auswahl.

Johann Schürger
Johann Schürger

Das Buch „ZIPSER ERZÄHLEN I – POTOKEN UND MANTAKEN DAZÄHLN“ (mit Federzeichnungen auf dem Umschlag des Heimatkünstlers Karl Kiraly, geb. in Prackendorf/Prakovce, Unterzips) gaben Aranka Stigloher-Liptak, Johann Schürger und ich im Auftrag des Hilfsbundes Karpatendeutscher Katholiken e. V. im Jahr 2000 heraus (Holming-Druck Edgar Dvorak, D-83043 Bad Aibling). Es sollten zwei weitere Werke folgen, doch dazu kam es nicht. Ich möchte anmerken, dass die Oberzipser in der Mundart auch als Potoken und die Unterzipser als Mantaken bezeichnet werden. Deshalb trägt das Heimatbuch den Untertitel „Potoken und Mantaken dazähln“.

Im Geleitwort zum Buch schrieben Siegfried Stang, G. R. Pfarrer Johann Kotschner und Ignatz Wolkober für den Hilfsbund Karpatendeutscher Katholiken e. V. Stuttgart: „Das Leben und das Schicksal der Menschen wurde weitgehend vom Erlebten und Erlittenen mitbestimmt. Der Hauptgrund, das Buch herauszubringen, liegt im Wesentlichen auch darin, dass die Zeit der Väter und Mütter, die noch aus eigenem Erleben erzählen können, wie es daheim war, immer kleiner wird. Mit dem Buch ‚ZIPSER ERZÄHLEN‘ wird der Nachwelt – nicht nur den Nachkommen, sondern dem Gesamtdeutschtum – vom Leben und Wirken der Ober- und Unterzipser berichtet.“

„Möge das Werk in jeder Zipser Familie einen Platz finden!“

Gabriele Kintzler (geb. 1935 in Deutschendorf/Poprad) engagierte sich mit ganzer Kraft bei der Gründung des Karpatendeutschen Vereins. Sie spielte bei der Gestaltung des Karpatenblattes eine wichtige Rolle, war von 1992 bis 2000 dessen Chefredakteurin und erhielt 1998 den Journalistenpreis „Hoffnung für Europa“ sowie 2001 beim Heimattreffen der Karpatendeutschen Landsmannschaft die Medaille „Für Verdienste um die Wiederbelebung der deutschen Sprache in der Slowakei“.

Gabriele Kintzler
Gabriele Kintzler

Im Karpatenblatt 2/2000 schrieb Frau Kintzler folgende bedenkenswerte Worte: „(…)Als in der Slowakei lebende Zipserin ist es für mich wahrlich ein Genuss, dieses Buch zu lesen. Es enthält Heimatgedichte, viele Erlebnisse aus der Oberzips und Unterzips bis zum Bodvatal. Es widerspiegelt aber auch die Sehnsucht unserer Landsleute im Ausland nach der alten Heimat. Für die Heimatverbliebenen – besonders für die mittlere und junge Generation – ist es eine reiche Quelle des Wissens über unser Zipserland. Möge es in jeder Zipser Familie einen Platz finden! Vielen Dank, liebe Landsleute in Deutschland!“

Erweiterte Neuauflage 2020 – ZIPSER TRILOGIE

Das Werk war inzwischen vergriffen. Wir – Aranka Stigloher-Liptak, Anna Klein-Krušinová und ich – machten uns erneut auf den Weg und gaben die alten sowie neue Texte in drei einander ergänzenden Bänden als ZIPSER TRILOGIE (Verlag ViViT s.r.o., Ing. Mikuláš Lipták, Kesmark/Kežmarok) im Auftrag des Hilfsbundes Karpatendeutscher Katholiken e. V. heraus.

Die TRILOGIE widmeten wir „in Dankbarkeit und Verehrung“ Johann Schürger. 150 Exemplare der TRILOGIE schenkte ich unmittelbar nach dem Erscheinen meinen Zipsern. Nur noch ein Exemplar war vorhanden; dieses konnte Aranka Stigloher-Liptak vor wenigen Tagen Frau Gabriele Kintzler zusenden.

Unser Anliegen: das Vergangene ehren

Wir schließen uns dem Schwedlerer Heimatdichter Franz Richweis an, der in seinem Beitrag über das „Anlegen der Bruderlade und ihre Aufgabe“ (Band III der TRILOGIE) schrieb: „Wir sollten gemeinsam, wie es unsere Väter vor 800 Jahren getan haben, unser Heimatland, die schöne Slowakei, aufblühen lassen. Das geht aber nur, wenn wir das Vergangene ehren und an es erinnern“ (S. 30 f.).

Dem Geleitwort von Dr. Ondrej Pöss, Vorsitzender des Karpatendeutschen Vereins, entnehmen wir: „Die Zipser Trilogie vermittelt und versöhnt. Die ausgewählten Geschichten sind der Kitt, der die Zipser zusammenhält. Die TRILOGIE erfüllt auch die besonders wichtige Aufgabe, das gesammelte Wissen an nachfolgende Generationen der Zipser zu überliefern. Möge sie viele interessierte Leser finden!“

Wir erkennen – besonders durch die Dichtkunst

Im Zentrum des Heimatbuches stehen Erlebnisse, Berichte und Forschungen, die das persönliche und damit authentische Engagement der Zipser zeigen – das, was ihnen aus unterschiedlichen Beweggründen am Herzen liegt. Die Autoren legen Zeugnis ab vom kulturellen, sozialen und politischen Standard der Zipserdeutschen. Der Leidensweg hat sie innerlich stark gemacht. Sie lassen uns teilhaben an ihrem tiefsinnigen Humor, ihrer inwendigen Heiterkeit und fröhlichen Sehnsucht.

Mit den einführenden Worten zur ZIPSER TRILOGIE I schließen wir: „Das große Ziel im europäischen Friedenshorizont ist uns Tag für Tag aufgegeben. Hierzu lädt besonders auch die Dichtkunst der Zipser ein, die – wie jede Kunst – dem Reich des Göttlichen und des Herzens nahe ist.“ Dabei erinnern wir an das Gedicht „Jeder Tag“ von Helga Blaschke-Pál (geb. 1926 in Kesmark/Kežmarok, gest. 2019 in Salzburg):

„Jeder Tag ist ein Geschenk,

an dem wir aneinander denken,

an dem wir lächelnd schenken

und wär es nur ein Gruß, der spricht. […]

Jeder Tag ist ein Geschenk,

atmen, fühlen, dürfen, schauen,

eine ganze Welt sich bauen,

Hand sein, Herzschlag und ein Licht“.

Die Wertschätzung der Zipser Heimat und Kultur zeigt sich gerade in ihrer Bewahrung und Pflege. Unser Dank gilt allen, die Beiträge zu diesem Werk geleistet und es fachkundig begleitet haben.

Aranka Stigloher-Liptak, Dr. Anna Klein-Krušinová, Prof. Dr. Ferdinand Klein